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Dienstag, 8. Februar 2022
Doch die Liebe währet ewiglich -15
mariant, 11:38h
Ich soll nun die Bilder mit dem Bild der Umgebung meines früheren nepalesischen Klosters vergleichen, wie ich es in Erinnerung habe. Das ausgesuchte Gebirgstal will die Immobilienfirma des Freundes von Herrn Li erwerben und ein buddhistisches Kloster hineinbauen.
Nach einigem Hin- und Herblättern zeige ich auf ein weites Tal, in dem sich eine Bundesstraße an einer Steilwand entlang schlängelt. Ich frage den Mann:
"Wie weit außerhalb der nächstgelegenen Ortschaft liegt dieses Tal?"
Der Mann schaut mich verständnislos an und antwortet:
"Dieses Tal ist etwas abgelegen. In beiden Richtungen der Bundesstraße kommen kleine Dörfer in dreißig bis fünfzig Kilometer Entfernung. Die nächste größere Stadt liegt 200 Kilometer entfernt."
Ich lächele ihn an und sage:
"Dann ließe sich dort eine Raststätte mit großem Parkplatz an der Bundesstraße bauen. Dahinter, in den Hang hinein käme dann das Kloster mit Ställen und anderen Wirtschaftsgebäuden. Hinter dem Eingangsgebäude befände sich ein Innenhof mit Säulengängen am Rand und ein hinterer Gebäudeteil mit einem Stupa."
"Ah," lächelt der Mann, "Sie bevorzugen die ganz große Lösung!"
Ich lächele zurück und meine:
"Wir wollen weitgehend autonom leben, unsere Nahrungsmittel und Energie selbst erzeugen. Die Straße ermöglicht den Gläubigen, das Kloster einfach mit dem Auto zu erreichen. Der Rastplatz mit Gästezimmern im Komfort einer Jugendherberge ermöglicht es ihnen, erst am nächsten Tag die möglicherweise weite Heimreise anzutreten. Das Restaurant des Rastplatzes kümmert sich um ihr leibliches Wohl.
Natürlich darf der Rastplatz jedem Vorbeifahrenden offenstehen, der Hunger verspürt oder eine Pause braucht!"
Der Mann nickt. Nach einer Gedankenpause meint er:
"Beim Kloster selbst bevorzugen Sie also ebenso die große Lösung?"
"Jaein," meine ich. "Schaf-, Ziegen- und Hühnerställe, sowie Weiden und Felder - Metzgerei und Mühle sollten im Untergeschoß vorhanden sein, um autark sein zu können. Eine Näherei... Darüber eine Klosterschule mit Schulhof. Räume für die Gläubigen und die Mönche. Nicht ganz so groß wie in Nepal, da hier nicht so viele Schüler, Mönche und Nonnen leben werden."
Wieder nickt der Mann. Er macht sich Notizen. Anschließend verabschiedet er sich von uns und gibt bekannt, dass er darüber mit seinem Chef reden will.
In den folgenden zwei Jahren ist in dem ausgesuchten Tal ein neues Kloster entstanden. Den alten Standort unseres Klosters haben wir an einen sozialen Verein übergeben, der die Fahrradwerkstatt mit übernehmen will. Außerdem soll dort eine Nahrungsmittel-Ausgabestelle eingerichtet werden und Schlafplätze für Obdachlose.
Die Näherei meiner Mutter ist komplett an den neuen Standort umgezogen. Für die Landwirtschaft und die Herberge haben wir Lamas aus einem Kloster nahe Straßburg zugewiesen bekommen, mit dem wir schon länger einen losen Kontakt pflegen.
Inzwischen haben wir der Immobilienfirma fast ein Drittel der Kosten in Raten zurückzahlen können. Bankzinsen fallen nicht an, da die Firma sie uns spendet.
Und noch etwas ist geschehen: Nach der Rückkehr in Deutschland und mit Beginn des neuen Schuljahres bricht der Kontakt zu Noah ab. In Gedanken wünsche ich ihm alles Gute für sein Leben. Sein Vater hat es mir wohl übelgenommen, ihn und Noah in das Hongkong-Abenteuer hineingezogen zu haben.
Im Kloster Ryumon Ji in Weiterswiller, fünfzig Kilometer nördlich von Straßburg lehrt Seine Heiligkeit Trülku Khön Dungsay, das Oberhaupt der Sakya-Schule des tibetischen Buddhismus. Er hat zwei Söhne Lama Khön Trizin und Lama Khön Gyana.
Die Sakya Schule, eine der vier Schulen des tibetischen Buddhismus, lehrt nicht die sexuelle Enthaltsamkeit für Mönche, wie die anderen drei Schulen, da ja auch die Familie Khön seit 900 Jahren den Trülku stellt, der dieser Schule vorsteht. Wir haben vereinbart, dass wir untereinander Lehrer austauschen und im ständigen religiösen Dialog bleiben.
*
Jetzt, nach sieben Jahren ohne Kontakt zu Noah, und nach dem Umzug unseres Klosters in einen zentraleren Bereich Deutschlands, der von den Medien begleitet worden ist, erhalte ich einen Brief. Noah, inzwischen 19 Jahre alt, fragt an, ob er eine Zeitlang das Klosterleben kennenlernen darf. Er hat die Schule beendet und auf einem Berufskolleg das Abitur gemacht.
Nun wäre es an der Zeit, sich um eine Ausbildung zu kümmern. Er aber hat sich beim Bundesfreiwilligendienst gemeldet und will die Zeit in unserem Kloster verbringen, um sich in dieser Zeit über Verschiedenes klarzuwerden, wie er schreibt.
Nach einigem Hin- und Herblättern zeige ich auf ein weites Tal, in dem sich eine Bundesstraße an einer Steilwand entlang schlängelt. Ich frage den Mann:
"Wie weit außerhalb der nächstgelegenen Ortschaft liegt dieses Tal?"
Der Mann schaut mich verständnislos an und antwortet:
"Dieses Tal ist etwas abgelegen. In beiden Richtungen der Bundesstraße kommen kleine Dörfer in dreißig bis fünfzig Kilometer Entfernung. Die nächste größere Stadt liegt 200 Kilometer entfernt."
Ich lächele ihn an und sage:
"Dann ließe sich dort eine Raststätte mit großem Parkplatz an der Bundesstraße bauen. Dahinter, in den Hang hinein käme dann das Kloster mit Ställen und anderen Wirtschaftsgebäuden. Hinter dem Eingangsgebäude befände sich ein Innenhof mit Säulengängen am Rand und ein hinterer Gebäudeteil mit einem Stupa."
"Ah," lächelt der Mann, "Sie bevorzugen die ganz große Lösung!"
Ich lächele zurück und meine:
"Wir wollen weitgehend autonom leben, unsere Nahrungsmittel und Energie selbst erzeugen. Die Straße ermöglicht den Gläubigen, das Kloster einfach mit dem Auto zu erreichen. Der Rastplatz mit Gästezimmern im Komfort einer Jugendherberge ermöglicht es ihnen, erst am nächsten Tag die möglicherweise weite Heimreise anzutreten. Das Restaurant des Rastplatzes kümmert sich um ihr leibliches Wohl.
Natürlich darf der Rastplatz jedem Vorbeifahrenden offenstehen, der Hunger verspürt oder eine Pause braucht!"
Der Mann nickt. Nach einer Gedankenpause meint er:
"Beim Kloster selbst bevorzugen Sie also ebenso die große Lösung?"
"Jaein," meine ich. "Schaf-, Ziegen- und Hühnerställe, sowie Weiden und Felder - Metzgerei und Mühle sollten im Untergeschoß vorhanden sein, um autark sein zu können. Eine Näherei... Darüber eine Klosterschule mit Schulhof. Räume für die Gläubigen und die Mönche. Nicht ganz so groß wie in Nepal, da hier nicht so viele Schüler, Mönche und Nonnen leben werden."
Wieder nickt der Mann. Er macht sich Notizen. Anschließend verabschiedet er sich von uns und gibt bekannt, dass er darüber mit seinem Chef reden will.
In den folgenden zwei Jahren ist in dem ausgesuchten Tal ein neues Kloster entstanden. Den alten Standort unseres Klosters haben wir an einen sozialen Verein übergeben, der die Fahrradwerkstatt mit übernehmen will. Außerdem soll dort eine Nahrungsmittel-Ausgabestelle eingerichtet werden und Schlafplätze für Obdachlose.
Die Näherei meiner Mutter ist komplett an den neuen Standort umgezogen. Für die Landwirtschaft und die Herberge haben wir Lamas aus einem Kloster nahe Straßburg zugewiesen bekommen, mit dem wir schon länger einen losen Kontakt pflegen.
Inzwischen haben wir der Immobilienfirma fast ein Drittel der Kosten in Raten zurückzahlen können. Bankzinsen fallen nicht an, da die Firma sie uns spendet.
Und noch etwas ist geschehen: Nach der Rückkehr in Deutschland und mit Beginn des neuen Schuljahres bricht der Kontakt zu Noah ab. In Gedanken wünsche ich ihm alles Gute für sein Leben. Sein Vater hat es mir wohl übelgenommen, ihn und Noah in das Hongkong-Abenteuer hineingezogen zu haben.
Im Kloster Ryumon Ji in Weiterswiller, fünfzig Kilometer nördlich von Straßburg lehrt Seine Heiligkeit Trülku Khön Dungsay, das Oberhaupt der Sakya-Schule des tibetischen Buddhismus. Er hat zwei Söhne Lama Khön Trizin und Lama Khön Gyana.
Die Sakya Schule, eine der vier Schulen des tibetischen Buddhismus, lehrt nicht die sexuelle Enthaltsamkeit für Mönche, wie die anderen drei Schulen, da ja auch die Familie Khön seit 900 Jahren den Trülku stellt, der dieser Schule vorsteht. Wir haben vereinbart, dass wir untereinander Lehrer austauschen und im ständigen religiösen Dialog bleiben.
*
Jetzt, nach sieben Jahren ohne Kontakt zu Noah, und nach dem Umzug unseres Klosters in einen zentraleren Bereich Deutschlands, der von den Medien begleitet worden ist, erhalte ich einen Brief. Noah, inzwischen 19 Jahre alt, fragt an, ob er eine Zeitlang das Klosterleben kennenlernen darf. Er hat die Schule beendet und auf einem Berufskolleg das Abitur gemacht.
Nun wäre es an der Zeit, sich um eine Ausbildung zu kümmern. Er aber hat sich beim Bundesfreiwilligendienst gemeldet und will die Zeit in unserem Kloster verbringen, um sich in dieser Zeit über Verschiedenes klarzuwerden, wie er schreibt.
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Montag, 7. Februar 2022
Doch die Liebe währet ewiglich -14
mariant, 11:47h
Papa schüttelt den Kopf und ich mache Fauchgeräusche und tue so, als würde der Drachen, den Papa mir in Hongkong gekauft hat, um die beiden Männer fliegen.
"Ich verspreche Ihnen, dass dies die erste und letzte Reise dieser Art für Sie sein wird! Ich werde Sie kein zweites Mal bemühen!" ergänzt Dennis.
"Ich nehme Sie beim Wort!" sagt Papa und wendet sich dann mir zu.
Kurz darauf verabschiedet sich Dennis. Er wäre in seiner Kabine zu finden, sagt er im Hinausgehen. Ich lege mich in meine Koje und lese in einem Abenteuerbuch, das ich an Bord in der Bibliothek gefunden habe.
*
Wenn ich, Yong Tai, nicht mit Noah das Schiff erkunde und der Mannschaft 'Löcher in den Bauch' frage, bin ich meist bei den ehrenwerten Großeltern. Mein ehrenwerter Vater hält sich zumeist bei seinem amerikanischen Freund in der Eignerkabine auf.
Oft praktizieren meine ehrenwerten Großeltern Tai Chi. Ich schaue zu und ahme sie nach, bis Noah hereinkommt und fragt, ob ich mit ihm spielen möchte.
"Du bist ein fröhlicher, witziger Junge!" habe ich ihn einmal lächelnd genannt und ihm dabei einen freundschaftlichen Kuss auf die Wange gegeben.
Ich mag ihn sehr, auch wenn ich fünf Jahre älter bin. Er hat immer solch spontane Einfälle, die mich zum Lachen bringen. Aber man muss ihn auch manchmal bremsen, damit er der Besatzung nicht auf die Nerven geht. Dann lade ich ihn zu einem Brettspiel im Salon ein. Dabei schüttet er mir oft sein junges Herz aus.
Die Zeit auf dem Meer vergeht auf diese Weise wie im Flug. Oft stehen wir auch an der Reling und können Wale beobachten. Oder ist es etwa so, dass sie uns beobachten? So vieles lässt mich kindlich staunen. Schließlich laufen wir in Honolulu ein.
Der ehrenwerte Herr, der uns so sehr geholfen hat, lädt uns in seine Gäste-Villa ein. In den darauffolgenden zwei Wochen organisiert er Besichtigungstouren mit Auto und Kleinflugzeugen über die ganze Inselgruppe. Wir verbringen eine wundervolle Zeit.
Schließlich werde ich zu meinem ehrenwerten Vater gerufen. Der ehrenwerte amerikanische Herr und Lama Rinpoche sind auch anwesend. Mein ehrenwerter Vater eröffnet mir, dass der ehrenwerte Herr mir eine Ausbildung zur Immobilienkauffrau anbietet. Ich mache große Augen. Bin ich denn für diesen Beruf wirklich geeignet?
In die Stille meldet sich der ehrenwerte Lama zu Wort:
"Li Yong Tai, habe keine Angst vor der Zukunft und der damit verbundenen vorübergehenden Trennung von deiner ehrenwerten Familie! Du kannst alles schaffen, was du ernsthaft angehst. Bewahre dir deine Neugier und dein Interesse. Bewahre dir dein Mitgefühl, aber beharre auch auf Standpunkten, die du für richtig hältst. Ich wünsche dir alles Glück der Welt!"
Nach einer kurzen Gedankenpause beuge ich meinen Kopf vor dem ehrwürdigen Lama Rinpoche und wende mich meinem ehrenwerten Vater zu:
"Ja, ehrenwerter Vater, ich bin bereit! Ich werde dich nicht enttäuschen!"
Bald darauf begleiten wir Noah, seinen Stiefvater Herrn Mann und Lama Rinpoche zum Kona International Airport im Westen der Insel. Kurz bevor die Drei den Abflugbereich betreten, dreht sich Noah zu mir um und hält mir den Plüschdrachen hin, den er unter dem Arm getragen hat.
"Ich schenke dir den Drachen, Yong Tai! Er wird immer auf dich aufpassen, und dich an mich erinnern!"
Ich erwidere freundlich lächelnd:
"Behalte du ihn! Ich brauche kein Geschenk, um mich immer wieder an dich zu erinnern. Du bist in meinem Herzen."
Er schaut enttäuscht, also gehe ich auf sein Angebot ein.
"Vielen Dank, Noah. Dein Drachen wird einen Ehrenplatz erhalten!" verspreche ich ihm.
*
Seit dem Hongkong-Abenteuer sind sieben Jahre vergangen. Viel ist in der Zeit geschehen. Herrn Lis amerikanischer Freund hat auf der Seereise zurück nach Hawaii neben den beruflichen Gesprächen via Satellit viel mit Herrn Li und mir, Dennis, über die Situation der Buddhisten in Deutschland gesprochen.
Das Ergebnis dieser Gespräche hätte ich mir nie zu träumen gewagt: Einer seiner Mitarbeiter hat Monate später unser Kloster an der sächsisch-bayrischen Grenze besucht. Ich werde zu seiner Heiligkeit, dem Khenchen Lama gerufen und darf gegenüber dem Mitarbeiter der Immobilienfirma meine Vorstellungen entwickeln. Er hat einen Katalog mit Luftbildern mitgebracht. Darauf kann man verschiedene Gebirgstäler im deutschen Mittelgebirge erkennen.
"Ich verspreche Ihnen, dass dies die erste und letzte Reise dieser Art für Sie sein wird! Ich werde Sie kein zweites Mal bemühen!" ergänzt Dennis.
"Ich nehme Sie beim Wort!" sagt Papa und wendet sich dann mir zu.
Kurz darauf verabschiedet sich Dennis. Er wäre in seiner Kabine zu finden, sagt er im Hinausgehen. Ich lege mich in meine Koje und lese in einem Abenteuerbuch, das ich an Bord in der Bibliothek gefunden habe.
*
Wenn ich, Yong Tai, nicht mit Noah das Schiff erkunde und der Mannschaft 'Löcher in den Bauch' frage, bin ich meist bei den ehrenwerten Großeltern. Mein ehrenwerter Vater hält sich zumeist bei seinem amerikanischen Freund in der Eignerkabine auf.
Oft praktizieren meine ehrenwerten Großeltern Tai Chi. Ich schaue zu und ahme sie nach, bis Noah hereinkommt und fragt, ob ich mit ihm spielen möchte.
"Du bist ein fröhlicher, witziger Junge!" habe ich ihn einmal lächelnd genannt und ihm dabei einen freundschaftlichen Kuss auf die Wange gegeben.
Ich mag ihn sehr, auch wenn ich fünf Jahre älter bin. Er hat immer solch spontane Einfälle, die mich zum Lachen bringen. Aber man muss ihn auch manchmal bremsen, damit er der Besatzung nicht auf die Nerven geht. Dann lade ich ihn zu einem Brettspiel im Salon ein. Dabei schüttet er mir oft sein junges Herz aus.
Die Zeit auf dem Meer vergeht auf diese Weise wie im Flug. Oft stehen wir auch an der Reling und können Wale beobachten. Oder ist es etwa so, dass sie uns beobachten? So vieles lässt mich kindlich staunen. Schließlich laufen wir in Honolulu ein.
Der ehrenwerte Herr, der uns so sehr geholfen hat, lädt uns in seine Gäste-Villa ein. In den darauffolgenden zwei Wochen organisiert er Besichtigungstouren mit Auto und Kleinflugzeugen über die ganze Inselgruppe. Wir verbringen eine wundervolle Zeit.
Schließlich werde ich zu meinem ehrenwerten Vater gerufen. Der ehrenwerte amerikanische Herr und Lama Rinpoche sind auch anwesend. Mein ehrenwerter Vater eröffnet mir, dass der ehrenwerte Herr mir eine Ausbildung zur Immobilienkauffrau anbietet. Ich mache große Augen. Bin ich denn für diesen Beruf wirklich geeignet?
In die Stille meldet sich der ehrenwerte Lama zu Wort:
"Li Yong Tai, habe keine Angst vor der Zukunft und der damit verbundenen vorübergehenden Trennung von deiner ehrenwerten Familie! Du kannst alles schaffen, was du ernsthaft angehst. Bewahre dir deine Neugier und dein Interesse. Bewahre dir dein Mitgefühl, aber beharre auch auf Standpunkten, die du für richtig hältst. Ich wünsche dir alles Glück der Welt!"
Nach einer kurzen Gedankenpause beuge ich meinen Kopf vor dem ehrwürdigen Lama Rinpoche und wende mich meinem ehrenwerten Vater zu:
"Ja, ehrenwerter Vater, ich bin bereit! Ich werde dich nicht enttäuschen!"
Bald darauf begleiten wir Noah, seinen Stiefvater Herrn Mann und Lama Rinpoche zum Kona International Airport im Westen der Insel. Kurz bevor die Drei den Abflugbereich betreten, dreht sich Noah zu mir um und hält mir den Plüschdrachen hin, den er unter dem Arm getragen hat.
"Ich schenke dir den Drachen, Yong Tai! Er wird immer auf dich aufpassen, und dich an mich erinnern!"
Ich erwidere freundlich lächelnd:
"Behalte du ihn! Ich brauche kein Geschenk, um mich immer wieder an dich zu erinnern. Du bist in meinem Herzen."
Er schaut enttäuscht, also gehe ich auf sein Angebot ein.
"Vielen Dank, Noah. Dein Drachen wird einen Ehrenplatz erhalten!" verspreche ich ihm.
*
Seit dem Hongkong-Abenteuer sind sieben Jahre vergangen. Viel ist in der Zeit geschehen. Herrn Lis amerikanischer Freund hat auf der Seereise zurück nach Hawaii neben den beruflichen Gesprächen via Satellit viel mit Herrn Li und mir, Dennis, über die Situation der Buddhisten in Deutschland gesprochen.
Das Ergebnis dieser Gespräche hätte ich mir nie zu träumen gewagt: Einer seiner Mitarbeiter hat Monate später unser Kloster an der sächsisch-bayrischen Grenze besucht. Ich werde zu seiner Heiligkeit, dem Khenchen Lama gerufen und darf gegenüber dem Mitarbeiter der Immobilienfirma meine Vorstellungen entwickeln. Er hat einen Katalog mit Luftbildern mitgebracht. Darauf kann man verschiedene Gebirgstäler im deutschen Mittelgebirge erkennen.
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Sonntag, 6. Februar 2022
Doch die Liebe währet ewiglich -13
mariant, 11:52h
"Ahso," meint Noahs Vater. "Dann könnten wir uns ja auch hier trennen. Wir fliegen planmäßig zurück und du fährst mit deinen Großeltern über den Pazifik."
Yong Tai macht ein tief enttäuschtes Gesicht. Ich schalte mich ein:
"Theoretisch könnten wir das so machen, Herr Mann. Aber es wäre ein Affront gegenüber diesen Leuten hier. Höflicherweise sollten wir die Einladung annehmen und die Gastfreundschaft der Leute genießen."
"Mein ehrenwerter Vater würde sich freuen, Sie alle kennenzulernen und Sie dem ehrenwerten amerikanischen Herrn vorzustellen!" betont Yong Tai, durch mich ermutigt.
Herr Mann hebt die Augenbrauen. Aber er nickt nach einer Gedankenpause. Also ist es abgemacht. Wir fahren mit kleinem Gepäck, auch wir haben unsere Reisedokumente dabei, zu dem Strandbad und halten uns links. Bald verlassen wir die Absperrungen und wandern über einen naturbelassenen Strand.
Nachdem es dunkel geworden ist, hören wir als Erstes Motorengeräusche, so laut wie ein Hubschrauber. Wieder rutscht uns das Herz in die Hose. Ich bin entschlossen, unsere Haut gegenüber den Chinesen so teuer wie möglich zu verkaufen. Dann leuchtet ein Scheinwerfer von See kommend den Strand aus und hat uns schnell erfasst.
Kurz darauf stoppt ein Luftkissenboot auf dem Strand. Inklusive der zwei Mann Besatzung sind wir acht Personen. Mehr Leute passen auch nicht auf das Boot. Nachdem wir hineingeklettert sind, kann ich Yong Tais Vater erkennen. Er aber wehrt alle Wiedersehensfreude höflich ab und verweist auf "Später, bitte!"
Der andere Mann im Boot hat das Fahrzeug gedreht und strebt auf die See zurück, auf ein unbekanntes Ziel zu. Bald taucht das Fahrzeug tiefer ins Wasser ein. Die Schürze wird eingezogen, die für das Luftkissen unter dem Boot gesorgt hat. Zwei Rotore am Heck bringen uns durch die Brandung und mit 30 Knoten Geschwindigkeit hinaus auf den Pazifik.
Außerhalb der von Hongkong beanspruchten Zone, in internationalen Gewässern, wartet eine große Yacht. Wir klettern eine Treppe hinauf, die hinter uns hochgezogen wird. Auch das Fahrzeug wird an Bord genommen. Uns zeigt man nun unsere Kabinen, während die Yacht Kurs Hawaii nimmt. Zwei Wochen wird die Seereise dauern.
*
Mein Name ist Noah. Ich habe eine unbeschwerte Zeit mit Yong Tai auf der Hochsee-Yacht. Wir haben uns angefreundet. Mit ihr kann ich über alles reden, was mich bewegt. An Bord hecken wir manchen Spaß gemeinsam aus. Anfangs habe ich zufällig ein paar Sätze mitbekommen, die Papa mit Yong Tais Papa gewechselt hat, als ich aus unserer Kabine in den Salon zum Essen gekommen bin. Papa hat gefragt:
"Warum sind wir nicht einfach zum Flieger und ganz normal mit Ihren Eltern über Dubai nach Deutschland geflogen?"
"Wir fliegen über Honolulu und San Francisco," beruhigt Herr Li meinen Vater. "Ich wollte sichergehen, dass Sie nicht alle am Flughafen verhaftet worden wären..."
"Oh, so schlimm?" staunt Papa.
"Sie kennen die chinesischen Behörden nicht und die Lager..." antwortet Herr Li.
Papa nickt stumm.
Später, als wir wieder in der Kabine sind, kommt Dennis zu uns herein. Ich will gerade Yong Tai besuchen.
"Hey," sagt er lachend zu mir. "Versenkt das Schiff nicht!"
Fröhlich lachend verabschiede ich mich und laufe zu Herrn Li. Ich begrüße ihn, wie Dennis es mir beigebracht hat, indem ich mich leicht verbeuge und die gefalteten Hände an das Kinn hebe. Anschließend frage ich ihn höflich, ob ich wieder mit Yong Tai spielen darf. Herr Li antwortet lächelnd:
"Sie braucht hin und wieder auch etwas Ruhe! Du nicht? Komm in einer Stunde wieder, Noah."
"Okay!" sage ich und gehe zur Kabine zurück, die ich mit Papa teile. Dort sagt Dennis gerade:
"... Seien Sie mir nicht böse, dass ich bei dieser Reise mehreres gebündelt habe. Nun wird es doch kein Kurzurlaub in Hongkong geben, dafür ein Urlaub auf Hawaii."
"Sie hätten mir aber sagen müssen, dass diese Reise kein unbeschwerter Trip werden würde!" meint Papa.
Dennis zuckt die Schultern und fragt zurück:
"Wären Sie dann bereit gewesen, mich als mein Onkel zu begleiten? Eine bessere Tarnung gab es für mich nicht, um in den Rachen des chinesischen Drachens zu gelangen. Und eine bessere Chance auf ein gutes Ende der Geschichte für meine Schülerin und deren Großeltern auch nicht..."
Yong Tai macht ein tief enttäuschtes Gesicht. Ich schalte mich ein:
"Theoretisch könnten wir das so machen, Herr Mann. Aber es wäre ein Affront gegenüber diesen Leuten hier. Höflicherweise sollten wir die Einladung annehmen und die Gastfreundschaft der Leute genießen."
"Mein ehrenwerter Vater würde sich freuen, Sie alle kennenzulernen und Sie dem ehrenwerten amerikanischen Herrn vorzustellen!" betont Yong Tai, durch mich ermutigt.
Herr Mann hebt die Augenbrauen. Aber er nickt nach einer Gedankenpause. Also ist es abgemacht. Wir fahren mit kleinem Gepäck, auch wir haben unsere Reisedokumente dabei, zu dem Strandbad und halten uns links. Bald verlassen wir die Absperrungen und wandern über einen naturbelassenen Strand.
Nachdem es dunkel geworden ist, hören wir als Erstes Motorengeräusche, so laut wie ein Hubschrauber. Wieder rutscht uns das Herz in die Hose. Ich bin entschlossen, unsere Haut gegenüber den Chinesen so teuer wie möglich zu verkaufen. Dann leuchtet ein Scheinwerfer von See kommend den Strand aus und hat uns schnell erfasst.
Kurz darauf stoppt ein Luftkissenboot auf dem Strand. Inklusive der zwei Mann Besatzung sind wir acht Personen. Mehr Leute passen auch nicht auf das Boot. Nachdem wir hineingeklettert sind, kann ich Yong Tais Vater erkennen. Er aber wehrt alle Wiedersehensfreude höflich ab und verweist auf "Später, bitte!"
Der andere Mann im Boot hat das Fahrzeug gedreht und strebt auf die See zurück, auf ein unbekanntes Ziel zu. Bald taucht das Fahrzeug tiefer ins Wasser ein. Die Schürze wird eingezogen, die für das Luftkissen unter dem Boot gesorgt hat. Zwei Rotore am Heck bringen uns durch die Brandung und mit 30 Knoten Geschwindigkeit hinaus auf den Pazifik.
Außerhalb der von Hongkong beanspruchten Zone, in internationalen Gewässern, wartet eine große Yacht. Wir klettern eine Treppe hinauf, die hinter uns hochgezogen wird. Auch das Fahrzeug wird an Bord genommen. Uns zeigt man nun unsere Kabinen, während die Yacht Kurs Hawaii nimmt. Zwei Wochen wird die Seereise dauern.
*
Mein Name ist Noah. Ich habe eine unbeschwerte Zeit mit Yong Tai auf der Hochsee-Yacht. Wir haben uns angefreundet. Mit ihr kann ich über alles reden, was mich bewegt. An Bord hecken wir manchen Spaß gemeinsam aus. Anfangs habe ich zufällig ein paar Sätze mitbekommen, die Papa mit Yong Tais Papa gewechselt hat, als ich aus unserer Kabine in den Salon zum Essen gekommen bin. Papa hat gefragt:
"Warum sind wir nicht einfach zum Flieger und ganz normal mit Ihren Eltern über Dubai nach Deutschland geflogen?"
"Wir fliegen über Honolulu und San Francisco," beruhigt Herr Li meinen Vater. "Ich wollte sichergehen, dass Sie nicht alle am Flughafen verhaftet worden wären..."
"Oh, so schlimm?" staunt Papa.
"Sie kennen die chinesischen Behörden nicht und die Lager..." antwortet Herr Li.
Papa nickt stumm.
Später, als wir wieder in der Kabine sind, kommt Dennis zu uns herein. Ich will gerade Yong Tai besuchen.
"Hey," sagt er lachend zu mir. "Versenkt das Schiff nicht!"
Fröhlich lachend verabschiede ich mich und laufe zu Herrn Li. Ich begrüße ihn, wie Dennis es mir beigebracht hat, indem ich mich leicht verbeuge und die gefalteten Hände an das Kinn hebe. Anschließend frage ich ihn höflich, ob ich wieder mit Yong Tai spielen darf. Herr Li antwortet lächelnd:
"Sie braucht hin und wieder auch etwas Ruhe! Du nicht? Komm in einer Stunde wieder, Noah."
"Okay!" sage ich und gehe zur Kabine zurück, die ich mit Papa teile. Dort sagt Dennis gerade:
"... Seien Sie mir nicht böse, dass ich bei dieser Reise mehreres gebündelt habe. Nun wird es doch kein Kurzurlaub in Hongkong geben, dafür ein Urlaub auf Hawaii."
"Sie hätten mir aber sagen müssen, dass diese Reise kein unbeschwerter Trip werden würde!" meint Papa.
Dennis zuckt die Schultern und fragt zurück:
"Wären Sie dann bereit gewesen, mich als mein Onkel zu begleiten? Eine bessere Tarnung gab es für mich nicht, um in den Rachen des chinesischen Drachens zu gelangen. Und eine bessere Chance auf ein gutes Ende der Geschichte für meine Schülerin und deren Großeltern auch nicht..."
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