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Samstag, 5. Februar 2022
Doch die Liebe währet ewiglich -12
mariant, 11:34h
Um das lange Sitzen auszugleichen, rege ich den Besuch eines Parks an. Dort macht Noah große Augen. Neben der alten chinesischen Architektur und den fremden Pflanzen faszinieren ihn die vielen fremden Menschen, die auf dem Rasen Tai Chi praktizieren, eine chinesische Atemtechnik.
Nach einer Stunde Aufenthalt gehen wir wieder ins Hotel zurück. Unterwegs fragt Herr Mann unsere Begleiterin Yong Tai:
"Yong Tai, kennst du eigentlich solch eine Landschaft wie die, die wir eben gesehen haben."
"In meiner Heimatstadt gibt es einen 'Ostasiatischen Garten'," erklärt sie ihm, "aber der ist nichts gegenüber diesen hier. Der Eindruck ist auch für mich überwältigend gewesen."
In der Hotellobby kann man Bücher, Videos und Spielzeug kaufen. Ich überrede Papa, mir einen gelben Stoff-Drachen mit breitem Kopf zu kaufen, bevor wir mit dem Aufzug auf unsere Zimmer fahren. Wir übernachten im Hotel und frühstücken am Morgen in einem großen Hotel-Restaurant, in dem nur europäische Geschäftsleute anwesend zu sein scheinen. Dementsprechend ist das Frühstück eher französisch als asiatisch.
Am Vormittag nehmen wir die U-Bahn, um in den Stadtteil an der Peripherie zu kommen, in dem Yong Tais Großeltern wohnen. Hier sind die Häuser höchstens drei Stockwerke hoch. Unsere junge Gästeführerin orientiert sich an den Straßennamen und hat einen Stadtplan im Handy.
Von der U-Bahn-Haltestelle dauert es noch eine halbe Stunde zu Fuß bis wir vor einem metallenen Tor stehen. Sie drückt dagegen und es öffnet sich quietschend. Wir stehen in einem Innenhof. Links von uns sitzt ein Mann hinter dem Fenster eines Anbaus.
Yong Tai geht darauf zu und klopft an die Tür daneben. Der Mann erhebt sich und steht kurz darauf in der Tür. Sie begrüßen sich nach Landesart mit Verbeugen und reden eine Weile auf Chinesisch miteinander. Danach schließt sich die Tür und Yong Tai kommt zu uns zurück.
"Meine ehrenwerten Großeltern bewohnen das Appartement 305. Das hat mir eben der Hausmeister berichtet."
Sie führt uns nun quer über den Hof bis zu einem Eingang, der von der Figur des chinesischen Glücksdrachens eingerahmt ist. Hinter dem Eingang zeigt sie uns einen Aufzug mit schmiedeeiserner Schiebetür. Dennis öffnet die Tür und wir betreten einen altertümlichen, ruckelnden Aufzug.
Im dritten Stock verlassen wir ihn und stehen in einem Gang, an dessen einer Seite Fenster zu dem Innenhof hinausgehen, durch den wir hereingekommen sind. Auf der anderen Seite des Ganges reihen sich nummerierte Türen aneinander. Wir suchen die 305 und Yong Tai betätigt die Klingel.
Es dauert eine Weile, bis eine alte Frau uns die Tür öffnet. Sie überblickt kurz die Gruppe, die im Gang vor ihr steht und wendet sich dann an Yong Tai, die sich verbeugt und die alte Frau anspricht. Sie holt ihr Handy aus der Tasche und spielt ihr eine Videobotschaft ihres Vaters vor.
Unter vielen Verbeugungen dürfen wir nun eintreten. Die alte Frau hat Tränen in den Augen und ruft nach ihrem Mann, der sich bald darauf zu uns gesellt. Wir werden an den Tisch gebeten und kurz darauf stehen Tee und je eine Schale mit Hähnchenteilen und Bambussprossen in Brühe vor uns - natürlich mit Essstäbchen.
Da nur Yong Tai und ich damit zurechtkommen, holt die alte Dame noch Löffel aus Porzellan für Noah und seinen Vater herbei. Währenddessen muss Yong Tai viel erzählen und immer wieder streicht ihre Großmutter ihr über die Wange und wischt ihre Tränen an ihrer Kleidung ab.
In der ganzen Zeit sind wir quasi Statisten, da wir die Sprache nicht beherrschen und uns nur über das Mienenspiel mitteilen können.
Nach einer ganzen Weile spricht uns der alte Herr auf Englisch an und will von uns wissen, wie man denn so lebt im fernen Deutschland. So berichten nun auch wir ihm aus Deutschland, wobei ich Herrn Mann die Gesprächsführung überlasse.
Am frühen Nachmittag meldet sich Yong Tais Handy. Wir schauen uns teils erschrocken, teils erstaunt an. Yong Tai nimmt das Gespräch an und ruft erstaunt aus: "Fuqin! -Papa-!"
Dann gibt sie das Handy an ihren Großvater weiter. Vater und Sohn reden nun eine Weile über Videotelefonie auf Chinesisch miteinander. Schließlich steht der alte Herr auf, öffnet eine Schublade und entnimmt ihr einige Dokumente, die er in eine Tasche steckt.
Da wir unwissend am Tisch sitzen, erklärt uns Yong Tai:
"Mein ehrenwerter Vater berichtet, dass er vor vier Wochen nach Honolulu geflogen ist, nachdem feststand, wann wir fliegen würden. Er ist auf Hawaii mit einem ehrenwerten Herrn bekannt, der mit Immobilien viel Geld gemacht hat. Der ehrenwerte Herr hat sich angeboten, meinem ehrenwerten Vater zu helfen. Nun ist Papa mit dem ehrenwerten Herrn und dessen Männern draußen vor der Küste und schickt nach Sonnenuntergang ein Boot an den Strand. Wir sollen mit der U-Bahn zu dem Strandbad fahren und in nördlicher Richtung am Wasser entlangwandern. Mein ehrenwerter Vater kann mein Handy orten und weiß so, wo wir sind."
Nach einer Stunde Aufenthalt gehen wir wieder ins Hotel zurück. Unterwegs fragt Herr Mann unsere Begleiterin Yong Tai:
"Yong Tai, kennst du eigentlich solch eine Landschaft wie die, die wir eben gesehen haben."
"In meiner Heimatstadt gibt es einen 'Ostasiatischen Garten'," erklärt sie ihm, "aber der ist nichts gegenüber diesen hier. Der Eindruck ist auch für mich überwältigend gewesen."
In der Hotellobby kann man Bücher, Videos und Spielzeug kaufen. Ich überrede Papa, mir einen gelben Stoff-Drachen mit breitem Kopf zu kaufen, bevor wir mit dem Aufzug auf unsere Zimmer fahren. Wir übernachten im Hotel und frühstücken am Morgen in einem großen Hotel-Restaurant, in dem nur europäische Geschäftsleute anwesend zu sein scheinen. Dementsprechend ist das Frühstück eher französisch als asiatisch.
Am Vormittag nehmen wir die U-Bahn, um in den Stadtteil an der Peripherie zu kommen, in dem Yong Tais Großeltern wohnen. Hier sind die Häuser höchstens drei Stockwerke hoch. Unsere junge Gästeführerin orientiert sich an den Straßennamen und hat einen Stadtplan im Handy.
Von der U-Bahn-Haltestelle dauert es noch eine halbe Stunde zu Fuß bis wir vor einem metallenen Tor stehen. Sie drückt dagegen und es öffnet sich quietschend. Wir stehen in einem Innenhof. Links von uns sitzt ein Mann hinter dem Fenster eines Anbaus.
Yong Tai geht darauf zu und klopft an die Tür daneben. Der Mann erhebt sich und steht kurz darauf in der Tür. Sie begrüßen sich nach Landesart mit Verbeugen und reden eine Weile auf Chinesisch miteinander. Danach schließt sich die Tür und Yong Tai kommt zu uns zurück.
"Meine ehrenwerten Großeltern bewohnen das Appartement 305. Das hat mir eben der Hausmeister berichtet."
Sie führt uns nun quer über den Hof bis zu einem Eingang, der von der Figur des chinesischen Glücksdrachens eingerahmt ist. Hinter dem Eingang zeigt sie uns einen Aufzug mit schmiedeeiserner Schiebetür. Dennis öffnet die Tür und wir betreten einen altertümlichen, ruckelnden Aufzug.
Im dritten Stock verlassen wir ihn und stehen in einem Gang, an dessen einer Seite Fenster zu dem Innenhof hinausgehen, durch den wir hereingekommen sind. Auf der anderen Seite des Ganges reihen sich nummerierte Türen aneinander. Wir suchen die 305 und Yong Tai betätigt die Klingel.
Es dauert eine Weile, bis eine alte Frau uns die Tür öffnet. Sie überblickt kurz die Gruppe, die im Gang vor ihr steht und wendet sich dann an Yong Tai, die sich verbeugt und die alte Frau anspricht. Sie holt ihr Handy aus der Tasche und spielt ihr eine Videobotschaft ihres Vaters vor.
Unter vielen Verbeugungen dürfen wir nun eintreten. Die alte Frau hat Tränen in den Augen und ruft nach ihrem Mann, der sich bald darauf zu uns gesellt. Wir werden an den Tisch gebeten und kurz darauf stehen Tee und je eine Schale mit Hähnchenteilen und Bambussprossen in Brühe vor uns - natürlich mit Essstäbchen.
Da nur Yong Tai und ich damit zurechtkommen, holt die alte Dame noch Löffel aus Porzellan für Noah und seinen Vater herbei. Währenddessen muss Yong Tai viel erzählen und immer wieder streicht ihre Großmutter ihr über die Wange und wischt ihre Tränen an ihrer Kleidung ab.
In der ganzen Zeit sind wir quasi Statisten, da wir die Sprache nicht beherrschen und uns nur über das Mienenspiel mitteilen können.
Nach einer ganzen Weile spricht uns der alte Herr auf Englisch an und will von uns wissen, wie man denn so lebt im fernen Deutschland. So berichten nun auch wir ihm aus Deutschland, wobei ich Herrn Mann die Gesprächsführung überlasse.
Am frühen Nachmittag meldet sich Yong Tais Handy. Wir schauen uns teils erschrocken, teils erstaunt an. Yong Tai nimmt das Gespräch an und ruft erstaunt aus: "Fuqin! -Papa-!"
Dann gibt sie das Handy an ihren Großvater weiter. Vater und Sohn reden nun eine Weile über Videotelefonie auf Chinesisch miteinander. Schließlich steht der alte Herr auf, öffnet eine Schublade und entnimmt ihr einige Dokumente, die er in eine Tasche steckt.
Da wir unwissend am Tisch sitzen, erklärt uns Yong Tai:
"Mein ehrenwerter Vater berichtet, dass er vor vier Wochen nach Honolulu geflogen ist, nachdem feststand, wann wir fliegen würden. Er ist auf Hawaii mit einem ehrenwerten Herrn bekannt, der mit Immobilien viel Geld gemacht hat. Der ehrenwerte Herr hat sich angeboten, meinem ehrenwerten Vater zu helfen. Nun ist Papa mit dem ehrenwerten Herrn und dessen Männern draußen vor der Küste und schickt nach Sonnenuntergang ein Boot an den Strand. Wir sollen mit der U-Bahn zu dem Strandbad fahren und in nördlicher Richtung am Wasser entlangwandern. Mein ehrenwerter Vater kann mein Handy orten und weiß so, wo wir sind."
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Freitag, 4. Februar 2022
Doch die Liebe währet ewiglich -11
mariant, 11:33h
Als ich das vernehme, schießen mir Tränen in die Augen und laufen die Wangen hinunter. Ich kann nicht anders, als mich platt auf den Boden zu werfen. Meine Schultern zucken durch das Weinen, mein Körper fühlt sich kraftlos an. Gleichzeitig durchströmt mich ein starkes Glücksgefühl. Der junge Lama erhebt sich nun und nähert sich mir, um mich sanft an den Schultern anzuheben. Während ich mich bei ihm anlehne, trocknet er mir die Tränen.
"Berichte deinen ehrenwerten Eltern von der Unterredung und dass dein ehrenwerter Vater baldmöglichst das Kloster aufsuchen soll," sagt er mit leiser sanfter Stimme.
Ich bin so froh! Am liebsten wäre ich ihm in westlicher Manier um den Hals gefallen. Ich habe mich erkundigt und erfahren, dass er Lama Rinpoche -der Wertvolle- heißt. Ich mag ihn sehr!
Mich erhebend, verlasse ich rückwärtsgehend mit vielen Verbeugungen den Raum.
*
Noah möchte sich beweisen und hat mich, Dennis, gefragt, ob wir Kungfu-Wettkämpfe unter Gleichaltrigen in Nepal kennen. Natürlich lassen wir in Nepal unsere Schüler zu Trainingszwecken gegeneinander antreten und geben verschiedenfarbige Gürtel als Auszeichnung. Richtige Wettkämpfe sind das jedoch nicht.
Kommerzielle Kungfu-Schulen veranstalten allerdings Wettkämpfe zwischen den Schulen. Dabei wird aber die buddhistische Philosophie eher vernachlässigt zugunsten des Wettkampfgedankens.
Mir kommt da eine Idee, über die ich mit Noahs Vater sprechen muss. Als Noah wieder einmal mit seinem Vater ins Kloster kommt und ein Gelong mit ihm Kraft- und Reaktionstraining macht, spreche ich den Vater darauf an:
"Herr Mann, waren Sie schon einmal in Hongkong?"
"Nein," meint er und macht ein verständnisloses Gesicht. "Wieso?"
"Hongkong ist eine Mehrmillionenstadt, wie zum Beispiel auch New York. Sie liegt an der chinesischen Pazifikküste und war früher britisches Mandatsgebiet. Als die Briten sich zurückzogen, wurde Hongkong ein selbstverwalteter Stadtstadt. Heute ist die Stadt eine chinesische Sonderverwaltungszone, weitgehend selbständig, aber unter starkem chinesischem Einfluss.
Himmelstrebende Hochhäuser gibt es dort und auch traditionelle Architektur. Sie hat grüne Parks, von denen zwei auch für die Touristik interessant sind...
Ich frage, weil Noah mir mit einer Asienreise in den Ohren liegt."
"Ich weiß," antwortet sein Vater und schaut mich zweifelnd an. "Er möchte Land und Leute kennenlernen und auch an einem Wettkampf teilnehmen..."
"Ich bin gegen einen Wettkampf, nur um des Wettkampfes Willen. Ich möchte ihm beibringen, dass Kungfu eine Lebenseinstellung ist und dem Frieden dient. Wir werden angehalten für alle Geschöpfe Mitgefühl zu empfinden, selbstlos für den Schwächeren einzutreten. Sie könnten mir dabei helfen!"
Herr Mann kräuselt die Stirn:
"Wie kann ich Ihnen dabei helfen, Herr Bäcker?"
Ich schenke ihm reinen Wein ein und erkläre:
"Ich stehe vor einer Reise nach Hongkong, um zwei ehrenwerte alte Herrschaften heraus zu holen, die Großeltern einer unserer Schülerinnen. Bisher ist geplant, dass ich in Zivil reise - ein Lama würde sofort verhaftet, zumindest aber beschattet - und die Schülerin als Kontaktperson mitnehme.
Noch unauffälliger wäre es, wenn ich als ihr Neffe reise. Also, wenn Sie und ihr Sohn einen Urlaub von wenigen Tagen dort verbringen und ich sie als ihr Neffe begleite. Unsere Schülerin macht dann die Hostess, die Gästebetreuerin."
"Das muss ich aber erst einmal mit meiner Frau besprechen!" entscheidet Herr Mann. "Da ist noch die Kostenfrage!"
"Natürlich!" gebe ich ihm Recht. "Das Kloster bucht eine Pauschalreise für alle beteiligten Personen, Flug, Hotel und Verpflegung inklusive!"
*
Einen Monat später sitzen wir im Flugzeug von Frankfurt über Dubai nach Hongkong, ein 20stündiger Flug. Noah hat viel geschlafen, während ich mich die meiste Zeit im Meditieren geübt habe. Nach der Landung und dem Auschecken im Flughafen, lassen wir uns von einem der Cabs ins Hotel fahren.
Wir haben im 43.Stockwerk drei Zimmer mit Zwischentüren gebucht und beziehen sie kurz nach unserer Ankunft. Noah ist ganz außer sich vor Aufregung und klebt mit der Nase an den wandhohen Fensterscheiben aus Sicherheitsglas.
"Berichte deinen ehrenwerten Eltern von der Unterredung und dass dein ehrenwerter Vater baldmöglichst das Kloster aufsuchen soll," sagt er mit leiser sanfter Stimme.
Ich bin so froh! Am liebsten wäre ich ihm in westlicher Manier um den Hals gefallen. Ich habe mich erkundigt und erfahren, dass er Lama Rinpoche -der Wertvolle- heißt. Ich mag ihn sehr!
Mich erhebend, verlasse ich rückwärtsgehend mit vielen Verbeugungen den Raum.
*
Noah möchte sich beweisen und hat mich, Dennis, gefragt, ob wir Kungfu-Wettkämpfe unter Gleichaltrigen in Nepal kennen. Natürlich lassen wir in Nepal unsere Schüler zu Trainingszwecken gegeneinander antreten und geben verschiedenfarbige Gürtel als Auszeichnung. Richtige Wettkämpfe sind das jedoch nicht.
Kommerzielle Kungfu-Schulen veranstalten allerdings Wettkämpfe zwischen den Schulen. Dabei wird aber die buddhistische Philosophie eher vernachlässigt zugunsten des Wettkampfgedankens.
Mir kommt da eine Idee, über die ich mit Noahs Vater sprechen muss. Als Noah wieder einmal mit seinem Vater ins Kloster kommt und ein Gelong mit ihm Kraft- und Reaktionstraining macht, spreche ich den Vater darauf an:
"Herr Mann, waren Sie schon einmal in Hongkong?"
"Nein," meint er und macht ein verständnisloses Gesicht. "Wieso?"
"Hongkong ist eine Mehrmillionenstadt, wie zum Beispiel auch New York. Sie liegt an der chinesischen Pazifikküste und war früher britisches Mandatsgebiet. Als die Briten sich zurückzogen, wurde Hongkong ein selbstverwalteter Stadtstadt. Heute ist die Stadt eine chinesische Sonderverwaltungszone, weitgehend selbständig, aber unter starkem chinesischem Einfluss.
Himmelstrebende Hochhäuser gibt es dort und auch traditionelle Architektur. Sie hat grüne Parks, von denen zwei auch für die Touristik interessant sind...
Ich frage, weil Noah mir mit einer Asienreise in den Ohren liegt."
"Ich weiß," antwortet sein Vater und schaut mich zweifelnd an. "Er möchte Land und Leute kennenlernen und auch an einem Wettkampf teilnehmen..."
"Ich bin gegen einen Wettkampf, nur um des Wettkampfes Willen. Ich möchte ihm beibringen, dass Kungfu eine Lebenseinstellung ist und dem Frieden dient. Wir werden angehalten für alle Geschöpfe Mitgefühl zu empfinden, selbstlos für den Schwächeren einzutreten. Sie könnten mir dabei helfen!"
Herr Mann kräuselt die Stirn:
"Wie kann ich Ihnen dabei helfen, Herr Bäcker?"
Ich schenke ihm reinen Wein ein und erkläre:
"Ich stehe vor einer Reise nach Hongkong, um zwei ehrenwerte alte Herrschaften heraus zu holen, die Großeltern einer unserer Schülerinnen. Bisher ist geplant, dass ich in Zivil reise - ein Lama würde sofort verhaftet, zumindest aber beschattet - und die Schülerin als Kontaktperson mitnehme.
Noch unauffälliger wäre es, wenn ich als ihr Neffe reise. Also, wenn Sie und ihr Sohn einen Urlaub von wenigen Tagen dort verbringen und ich sie als ihr Neffe begleite. Unsere Schülerin macht dann die Hostess, die Gästebetreuerin."
"Das muss ich aber erst einmal mit meiner Frau besprechen!" entscheidet Herr Mann. "Da ist noch die Kostenfrage!"
"Natürlich!" gebe ich ihm Recht. "Das Kloster bucht eine Pauschalreise für alle beteiligten Personen, Flug, Hotel und Verpflegung inklusive!"
*
Einen Monat später sitzen wir im Flugzeug von Frankfurt über Dubai nach Hongkong, ein 20stündiger Flug. Noah hat viel geschlafen, während ich mich die meiste Zeit im Meditieren geübt habe. Nach der Landung und dem Auschecken im Flughafen, lassen wir uns von einem der Cabs ins Hotel fahren.
Wir haben im 43.Stockwerk drei Zimmer mit Zwischentüren gebucht und beziehen sie kurz nach unserer Ankunft. Noah ist ganz außer sich vor Aufregung und klebt mit der Nase an den wandhohen Fensterscheiben aus Sicherheitsglas.
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Donnerstag, 3. Februar 2022
Doch die Liebe währet ewiglich -10
mariant, 12:16h
"Hab Dank, meine Tochter," kommentiert er meine Aktion.
Die Mimo, die bisher geschwiegen hat, ergreift nun das Wort:
"Dies ist Yong Tai, eine meiner Schülerinnen. Sie hat mir ihre Geschichte erzählt. Ich denke, du solltest dir einmal anhören, was sie zu sagen hat."
Der ehrwürdige Lama schaut mich interessiert an.
Zunächst schaue ich wieder zu Boden, drehe mich etwas und verbeuge mich noch einmal in seine Richtung.
"Nun, Yong Tai?" ermuntert er mich mit seiner sanften Stimme.
Ich atme ein und beginne:
"Die ehrwürdige Mimo -Frau, Mutter- hat mich ermuntert, offen über das Schicksal meiner Familie zu sprechen, ehrwürdiger Lama."
"Ja?" fragt er.
"Es ist so, dass meine ehrenwerten Großeltern in unserer früheren Heimat Hongkong zurzeit unter Druck gesetzt werden, damit mein ehrenwerter Vater mit seiner Familie zurückkehrt. Dort droht ihm aber die Verhaftung, und meiner ehrenwerten Mutter und mir das Umerziehungslager.
Meine ehrenwerten Eltern sind mit mir vor etwa 14 Jahren nach Deutschland gekommen, weil der ehrenwerte Vater in der Heimat gegen die Chinesen und deren Einfluss in Hongkong demonstriert hat und deshalb von den Chinesen schon einmal verhaftet worden ist.
Nun liegen unsere Hoffnungen hier im Kloster."
Der Lama greift über den Tisch, nimmt meine Hand und bedeckt sie mit seiner anderen Hand. Spontan beuge ich mich vor und berühre seinen Handrücken mit meiner Stirn. Ich frage:
"Ist es möglich, meine ehrenwerten Großeltern aus Hongkong herauszuholen, um ihnen hier einen Lebensabend in Freiheit und ohne Repressalien zu gönnen?"
Der Lama nickt lächelnd und fragt zurück:
"Gibt es sonst noch Verwandte in Hongkong, in anderen Städten oder in Taiwan?"
"Die ehrenwerten Großeltern durften nur ein Kind haben. Sie sind vor Jahrzehnten aus der Provinz nach Hongkong gereist und geblieben, weil es dort Arbeit für sie gab."
"Ah, ihr habt schon eine Odysee hinter euch," kommentiert er meine Erklärung. "Ich werde Seiner Heiligkeit deine Geschichte vortragen! Gemeinsam werden wir eine Lösung finden!"
Vor Freude verbeuge ich mich noch einmal neben dem Tisch bis meine Stirn wieder den Boden berührt. Anschließend schickt mich die Mimo auf mein Zimmer. Vor Erleichterung habe ich das Gefühl, den Weg dorthin schwebend zurückzulegen. Mir ist so leicht zumute.
Am nächsten Morgen erscheint nach dem Frühstück ein Gelong -Mönch- in dem Unterweisungsraum, in dem eine Gelongma uns die buddhistische Philosophie lehrt. Er geht an der Zimmerwand entlang auf die Gelongma -Nonne- zu und flüstert mit ihr. Danach schauen beide zu mir herüber. Die Gelongma hebt die Hand mit nach oben gerichteter Handfläche schwungvoll. Ich erhebe mich und suche meinen Weg in Richtung Tür, möglichst ohne die anderen Schülerinnen zu stören. Der Gelong nimmt den gleichen Weg, den er gekommen ist, und spricht mich an der Tür an:
"Seine Heiligkeit wünscht die Schülerin Li Yong Tai zu sprechen."
Ich nicke und hebe die gefalteten Hände an das Kinn.
"Ich bin bereit!" antworte ich und folge dem Gelong durch die Gänge.
Als wir den Thronsaal erreicht haben und der Gelong mir bedeutet, ihm hinein zu folgen, falle ich nach dem Eintreten auf die Knie und verbeuge mich ehrfurchtvoll in Richtung des Mannes auf dem Thron.
"Komm näher, meine Tochter!" fordert Seine Heiligkeit mich mit sanfter mitfühlender Stimme auf.
Ich wage es nicht mich zu erheben, so sehr hält mich die Situation gefangen. Daher rutsche ich auf Knien näher, immer wieder den Boden mit der Stirn berührend.
"Berichte mir vom Schicksal deiner ehrenwerten Familie," ermuntert mich Seine Heiligkeit.
Ich wiederhole, was ich am Vorabend dem jetzt ebenfalls anwesenden Lama schon berichtet habe.
"Kennst du den Weg vom Flughafen zur Adresse deiner ehrenwerten Großeltern?" fragt Seine Heiligkeit, nachdem ich geendet habe.
Ich schüttele traurig den Kopf. Die ganze Zeit wage ich es nicht, den Blick zu heben.
"Aber deine ehrenwerten Eltern haben die Adresse?"
Ich nicke eifrig und hebe die gefalteten Hände an meine Lippen.
"Wir werden deiner ehrenwerten Familie helfen!" kündigt Seine Heiligkeit mir an. "Dafür muss ich aber mit deinem ehrenwerten Vater sprechen! Ist es möglich, dass er das Kloster in Kürze aufsucht?"
Die Mimo, die bisher geschwiegen hat, ergreift nun das Wort:
"Dies ist Yong Tai, eine meiner Schülerinnen. Sie hat mir ihre Geschichte erzählt. Ich denke, du solltest dir einmal anhören, was sie zu sagen hat."
Der ehrwürdige Lama schaut mich interessiert an.
Zunächst schaue ich wieder zu Boden, drehe mich etwas und verbeuge mich noch einmal in seine Richtung.
"Nun, Yong Tai?" ermuntert er mich mit seiner sanften Stimme.
Ich atme ein und beginne:
"Die ehrwürdige Mimo -Frau, Mutter- hat mich ermuntert, offen über das Schicksal meiner Familie zu sprechen, ehrwürdiger Lama."
"Ja?" fragt er.
"Es ist so, dass meine ehrenwerten Großeltern in unserer früheren Heimat Hongkong zurzeit unter Druck gesetzt werden, damit mein ehrenwerter Vater mit seiner Familie zurückkehrt. Dort droht ihm aber die Verhaftung, und meiner ehrenwerten Mutter und mir das Umerziehungslager.
Meine ehrenwerten Eltern sind mit mir vor etwa 14 Jahren nach Deutschland gekommen, weil der ehrenwerte Vater in der Heimat gegen die Chinesen und deren Einfluss in Hongkong demonstriert hat und deshalb von den Chinesen schon einmal verhaftet worden ist.
Nun liegen unsere Hoffnungen hier im Kloster."
Der Lama greift über den Tisch, nimmt meine Hand und bedeckt sie mit seiner anderen Hand. Spontan beuge ich mich vor und berühre seinen Handrücken mit meiner Stirn. Ich frage:
"Ist es möglich, meine ehrenwerten Großeltern aus Hongkong herauszuholen, um ihnen hier einen Lebensabend in Freiheit und ohne Repressalien zu gönnen?"
Der Lama nickt lächelnd und fragt zurück:
"Gibt es sonst noch Verwandte in Hongkong, in anderen Städten oder in Taiwan?"
"Die ehrenwerten Großeltern durften nur ein Kind haben. Sie sind vor Jahrzehnten aus der Provinz nach Hongkong gereist und geblieben, weil es dort Arbeit für sie gab."
"Ah, ihr habt schon eine Odysee hinter euch," kommentiert er meine Erklärung. "Ich werde Seiner Heiligkeit deine Geschichte vortragen! Gemeinsam werden wir eine Lösung finden!"
Vor Freude verbeuge ich mich noch einmal neben dem Tisch bis meine Stirn wieder den Boden berührt. Anschließend schickt mich die Mimo auf mein Zimmer. Vor Erleichterung habe ich das Gefühl, den Weg dorthin schwebend zurückzulegen. Mir ist so leicht zumute.
Am nächsten Morgen erscheint nach dem Frühstück ein Gelong -Mönch- in dem Unterweisungsraum, in dem eine Gelongma uns die buddhistische Philosophie lehrt. Er geht an der Zimmerwand entlang auf die Gelongma -Nonne- zu und flüstert mit ihr. Danach schauen beide zu mir herüber. Die Gelongma hebt die Hand mit nach oben gerichteter Handfläche schwungvoll. Ich erhebe mich und suche meinen Weg in Richtung Tür, möglichst ohne die anderen Schülerinnen zu stören. Der Gelong nimmt den gleichen Weg, den er gekommen ist, und spricht mich an der Tür an:
"Seine Heiligkeit wünscht die Schülerin Li Yong Tai zu sprechen."
Ich nicke und hebe die gefalteten Hände an das Kinn.
"Ich bin bereit!" antworte ich und folge dem Gelong durch die Gänge.
Als wir den Thronsaal erreicht haben und der Gelong mir bedeutet, ihm hinein zu folgen, falle ich nach dem Eintreten auf die Knie und verbeuge mich ehrfurchtvoll in Richtung des Mannes auf dem Thron.
"Komm näher, meine Tochter!" fordert Seine Heiligkeit mich mit sanfter mitfühlender Stimme auf.
Ich wage es nicht mich zu erheben, so sehr hält mich die Situation gefangen. Daher rutsche ich auf Knien näher, immer wieder den Boden mit der Stirn berührend.
"Berichte mir vom Schicksal deiner ehrenwerten Familie," ermuntert mich Seine Heiligkeit.
Ich wiederhole, was ich am Vorabend dem jetzt ebenfalls anwesenden Lama schon berichtet habe.
"Kennst du den Weg vom Flughafen zur Adresse deiner ehrenwerten Großeltern?" fragt Seine Heiligkeit, nachdem ich geendet habe.
Ich schüttele traurig den Kopf. Die ganze Zeit wage ich es nicht, den Blick zu heben.
"Aber deine ehrenwerten Eltern haben die Adresse?"
Ich nicke eifrig und hebe die gefalteten Hände an meine Lippen.
"Wir werden deiner ehrenwerten Familie helfen!" kündigt Seine Heiligkeit mir an. "Dafür muss ich aber mit deinem ehrenwerten Vater sprechen! Ist es möglich, dass er das Kloster in Kürze aufsucht?"
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