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Montag, 14. Februar 2022
Doch die Liebe währet ewiglich -21
mariant, 11:31h
Am folgenden Morgen essen wir mit der verehrten Dame Li Yong Tai. Ihre Köchin hat das Frühstück zubereitet. Wir begegnen uns herzlich, aber auch höflich zurückhaltend. Danach fährt sie eine Etage tiefer in ihre Geschäftsräume. Dorthin begleiten wir sie und schauen uns alle Räume an. Dabei wechseln wir immer ein paar freundliche Worte mit den Angestellten.
Bis zum späten Nachmittag gibt es keine besonderen Vorkommnisse. Dann betritt ein Mann im Anzug und Aktenkoffer die Geschäftsräume, der durchaus ein Banker sein könnte. Die Rezeptionskraft bittet ihn, sich zu setzen und kurz zu warten. Er gibt sich sehr nervös. Irgendwann, als er sich unbeobachtet fühlt, öffnet er seinen Aktenkoffer und lässt ein Gerät wie einen Saugroboter frei. Er schaltet ihn ein und lässt ihn laufen.
Kurz darauf meldet er sich bei der Rezeptionskraft und meint:
"Ich denke, ich komme morgen wieder. Ich habe noch weitere Termine."
Sie lächelt ihn freundlich an und antwortet:
"In Ordnung, dann bis Morgen!"
Ich stoppe das Gerät, das der Mann zurückgelassen hat und drehe es um. Unten blinkt eine rote LED. Nun nehme ich es hoch und laufe damit zu dem Personenschützer.
"Das hat ein Besucher zurückgelassen!" sage ich gehetzt und bin schon am Aufzug.
Noah ist zur Stelle. Ich sage schnell zu ihm:
"Bleibe du hier! Ich folge einem Verdächtigen!"
Mit einem Spezialschlüssel nutze ich den Expressaufzug, der mich sofort nach unten bringt. Dort sehe ich den Mann gerade das Gebäude verlassen. Draußen wird es allmählich dämmrig.
Ich beeile mich, hinter ihm her zu kommen. Er will gerade in einen Wagen einsteigen, der in der Nähe geparkt ist. Dabei erkennt er mich, schlägt die Wagentür wieder zu und überquert die Straße. Schräg gegenüber liegt eine Bar. Ich gebe eine Beschreibung des Fahrzeugs und des Kennzeichens mit meinem Handy an den Personenschützer weiter und betrete die Bar.
Kurz orientiere ich mich, dann gehe ich zum Tresen und bestelle ein Getränk. Während ich mein Glas hebe, spüre ich eine Waffe im Rücken. Ich wirbele herum und schlage sie dem Mann aus der Hand. Sofort weichen andere Gäste an der Bar zurück. Der Mann taumelt rückwärts und ich setze sofort nach. Bald liegt er am Boden und ich fessele seine Hände auf den Rücken.
Jetzt ziehe ich den Mann auf die Beine und schaue mich suchend nach der Waffe um, aber sie ist verschwunden. Dem Barmädchen zunickend, verlasse ich mit dem Mann die Bar, um ihn unserem Sicherheitspersonal zu übergeben. Vor dem Eingang der Bar peitscht ein Schuss.
Ich spüre einen Schlag an der Schulter. Mein Gefangener sackt zusammen. Ihn auf beiden Armen über die Straße tragend, erreiche ich bald Li Yong Tais Geschäftshaus und fahre mit dem Expressaufzug hoch. Mit einiger Mühe betrete ich den Raum, der zum provisorischen Kontrollzentrum umfunktioniert worden ist. Der Mann hinter dem Laptop macht große Augen.
"Haben Sie...?" beginnt er.
Ich schüttele den Kopf und erkläre ihm:
"Wie könnte ich, ohne Waffe? Ich wollte ihn zur Befragung zurückbringen. Draußen auf der Straße peitscht plötzlich ein Schuss, streift mich und trifft ihn. Zu viele Zeugen. - Darum konnte ich ihn nicht liegenlassen. Nun werden wir der Polizei einiges erklären müssen."
"Womit Sie Recht haben!" meint der Mann.
Ich bin nun erst einmal in Hamburg gebunden. Also müssen wir uns aufteilen, überlege ich. Darauf spreche ich Noah an, der hinzugekommen ist:
"Noah, die ehrenwerte Dame muss sofort aus der Schusslinie! Die Gegenseite ist nervös geworden. Begleite Du sie zu ihren Eltern nach Frankfurt. Nimm den gepanzerten Wagen!"
Der Personenschützer hat soeben die Polizei von dem Vorfall informiert und sagt:
"Mein Kollege wird den Wagen fahren!"
Ich nicke. Noah zieht mich einen Schritt weg. Er hat etwas auf dem Herzen. Wir verlassen den Raum und gehen in Richtung Li Yong Tais Büro.
"Sie hat mich gestern bei der Ankunft fast nicht wiedererkannt, Tsopo -Meister-. Ich habe in der Vergangenheit jeden Tag an sie gedacht, seit unserem Abschied auf Hawaii - und sie hat mich vollkommen vergessen! Vergangene Nacht habe ich sehr unruhig geschlafen."
Ich schaue Noah an und entgegne ihm, während ich meine Hand auf seine Schulter lege:
"Du konzentrierst dich auf das Negative, Noah! Du musst als zukünftiger Gelong -Mönch- auf deine Gedanken achten! Sie WAR erfreut, dich zu sehen!"
Bis zum späten Nachmittag gibt es keine besonderen Vorkommnisse. Dann betritt ein Mann im Anzug und Aktenkoffer die Geschäftsräume, der durchaus ein Banker sein könnte. Die Rezeptionskraft bittet ihn, sich zu setzen und kurz zu warten. Er gibt sich sehr nervös. Irgendwann, als er sich unbeobachtet fühlt, öffnet er seinen Aktenkoffer und lässt ein Gerät wie einen Saugroboter frei. Er schaltet ihn ein und lässt ihn laufen.
Kurz darauf meldet er sich bei der Rezeptionskraft und meint:
"Ich denke, ich komme morgen wieder. Ich habe noch weitere Termine."
Sie lächelt ihn freundlich an und antwortet:
"In Ordnung, dann bis Morgen!"
Ich stoppe das Gerät, das der Mann zurückgelassen hat und drehe es um. Unten blinkt eine rote LED. Nun nehme ich es hoch und laufe damit zu dem Personenschützer.
"Das hat ein Besucher zurückgelassen!" sage ich gehetzt und bin schon am Aufzug.
Noah ist zur Stelle. Ich sage schnell zu ihm:
"Bleibe du hier! Ich folge einem Verdächtigen!"
Mit einem Spezialschlüssel nutze ich den Expressaufzug, der mich sofort nach unten bringt. Dort sehe ich den Mann gerade das Gebäude verlassen. Draußen wird es allmählich dämmrig.
Ich beeile mich, hinter ihm her zu kommen. Er will gerade in einen Wagen einsteigen, der in der Nähe geparkt ist. Dabei erkennt er mich, schlägt die Wagentür wieder zu und überquert die Straße. Schräg gegenüber liegt eine Bar. Ich gebe eine Beschreibung des Fahrzeugs und des Kennzeichens mit meinem Handy an den Personenschützer weiter und betrete die Bar.
Kurz orientiere ich mich, dann gehe ich zum Tresen und bestelle ein Getränk. Während ich mein Glas hebe, spüre ich eine Waffe im Rücken. Ich wirbele herum und schlage sie dem Mann aus der Hand. Sofort weichen andere Gäste an der Bar zurück. Der Mann taumelt rückwärts und ich setze sofort nach. Bald liegt er am Boden und ich fessele seine Hände auf den Rücken.
Jetzt ziehe ich den Mann auf die Beine und schaue mich suchend nach der Waffe um, aber sie ist verschwunden. Dem Barmädchen zunickend, verlasse ich mit dem Mann die Bar, um ihn unserem Sicherheitspersonal zu übergeben. Vor dem Eingang der Bar peitscht ein Schuss.
Ich spüre einen Schlag an der Schulter. Mein Gefangener sackt zusammen. Ihn auf beiden Armen über die Straße tragend, erreiche ich bald Li Yong Tais Geschäftshaus und fahre mit dem Expressaufzug hoch. Mit einiger Mühe betrete ich den Raum, der zum provisorischen Kontrollzentrum umfunktioniert worden ist. Der Mann hinter dem Laptop macht große Augen.
"Haben Sie...?" beginnt er.
Ich schüttele den Kopf und erkläre ihm:
"Wie könnte ich, ohne Waffe? Ich wollte ihn zur Befragung zurückbringen. Draußen auf der Straße peitscht plötzlich ein Schuss, streift mich und trifft ihn. Zu viele Zeugen. - Darum konnte ich ihn nicht liegenlassen. Nun werden wir der Polizei einiges erklären müssen."
"Womit Sie Recht haben!" meint der Mann.
Ich bin nun erst einmal in Hamburg gebunden. Also müssen wir uns aufteilen, überlege ich. Darauf spreche ich Noah an, der hinzugekommen ist:
"Noah, die ehrenwerte Dame muss sofort aus der Schusslinie! Die Gegenseite ist nervös geworden. Begleite Du sie zu ihren Eltern nach Frankfurt. Nimm den gepanzerten Wagen!"
Der Personenschützer hat soeben die Polizei von dem Vorfall informiert und sagt:
"Mein Kollege wird den Wagen fahren!"
Ich nicke. Noah zieht mich einen Schritt weg. Er hat etwas auf dem Herzen. Wir verlassen den Raum und gehen in Richtung Li Yong Tais Büro.
"Sie hat mich gestern bei der Ankunft fast nicht wiedererkannt, Tsopo -Meister-. Ich habe in der Vergangenheit jeden Tag an sie gedacht, seit unserem Abschied auf Hawaii - und sie hat mich vollkommen vergessen! Vergangene Nacht habe ich sehr unruhig geschlafen."
Ich schaue Noah an und entgegne ihm, während ich meine Hand auf seine Schulter lege:
"Du konzentrierst dich auf das Negative, Noah! Du musst als zukünftiger Gelong -Mönch- auf deine Gedanken achten! Sie WAR erfreut, dich zu sehen!"
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Sonntag, 13. Februar 2022
Doch die Liebe währet ewiglich -20
mariant, 13:56h
Sich Noah zuwendend, schaut sie erst erstaunt, schenkt ihm dann aber ein strahlendes Lächeln. Sie sagt:
"Noah, du? Meine Güte, bist du groß geworden!"
Mein Begleiter, bisher stumm die neuen Eindrücke verarbeitend, antwortet ihr:
"Du aber auch... Ich meine... Du bist noch schöner geworden!"
Sie lacht fröhlich auf und neigt ihren Kopf.
"Noah," erklärt sie ihm. "Du wirst für mich immer der kleine Junge von damals bleiben, mit seinen witzigen Einfällen."
Ich schalte mich ein und verspreche ihr:
"Ich kann Euch versichern, dass Sie unsere Anwesenheit nicht behelligen wird, verehrte Frau Li!"
Li Yong Tai bietet uns Platz an. Wir setzen uns in die Sitzgruppe. Ihr Begleiter bleibt stehen und stellt sich vor:
"Ich bin der Personenschützer der Dame. Sie hat mich über Ihren Auftrag informiert. Die Situation ist gefährlicher als die Chefin bereit ist zuzugeben!"
"Ich brauche keine weiteren schießwütigen Cowboys," weist sie ihn zurecht. "Ich brauche Antworten! Ich will wissen, wer mich töten will und warum!"
"Wir sind hier, um Euch zu beschützen!" werfe ich dazwischen. "Nicht um Nachforschungen anzustellen. Dafür ist hierzulande die Polizei zuständig!"
Noah mischt sich ein und verspricht:
"Wir werden herausfinden, wer dahintersteckt, Yong Tai!"
Ich wende mich Noah zu und weise ihn zurecht:
"Wir werden unseren Auftrag nicht ausweiten, mein junger Schüler!"
Noah rudert etwas zurück, als er antwortet:
"Natürlich dient das nur dazu, die ehrenwerte Dame zu beschützen, verehrter Tsopo -Meister-!"
Yong Tai ist unserem verbalen Schlagabtausch mit gerunzelter Stirn gefolgt. Sie wirft vermittelnd ein:
"Vielleicht werden allein durch Eure Anwesenheit die Geheimnisse gelüftet - in der Art, dass der oder die Verbrecher sich aus der Deckung wagen.
Wenn Ihr mich nun entschuldigen würdet. Ich ziehe mich zurück."
Wir erheben uns höflich und neigen den Kopf. Sie erhebt sich ebenfalls und geht davon. Es ist ja auch schon später Abend. Als wir mit dem Personenschützer allein sind, sagt dieser:
"Mich beruhigt es, dass Sie hier sind!
Ich halte mich zumeist im provisorischen Kontrollzentrum auf. Nach Mitternacht löst mich mein Kollege ab. In den Treppenhäusern, unten im Eingang und im Aufzug sind Kameras installiert und die Chefin trägt einen Sender am Körper, für den Fall, dass sie entführt wird.
Ich zeige Ihnen eben noch Ihre Zimmer!"
Er führt uns zu der Zimmerflucht für Gäste und öffnet zwei in asiatischem Stil eingerichtete Zimmer. Ich bedanke mich und wünsche eine 'Gute Nacht'.
*
Nachdem ich, Yong Tai, die Tür zu meiner kleinen Wohnung hinter mir zugezogen habe, lehne ich mich mit dem Rücken an das Türblatt. Ich bin verwirrt. In meinem Kopf dreht sich alles.
Noah, der witzige kleine Junge ist in Gestalt eines jungen Mannes zu mir gekommen. Er hat allerdings nicht geahnt, zu wem ihn sein Tsopo Lama Rinpoche führt. Das habe ich an seiner Reaktion beim Verlassen des Aufzuges gesehen. Er ist genauso verwirrt gewesen und hat nicht die richtigen Worte gefunden.
Noah befindet sich offensichtlich auf dem Weg, ein Mönch zu werden. Ich dagegen bin trotz meiner jungen Jahre schon Europa-Chefin eines großen weltweit operierenden Immobilienkonzerns. Mein Chef auf Hawaii setzt großes Vertrauen in mich, dem ich unbedingt gerecht werden will! Muss ich mich deshalb als Workaholic bezeichnen?
Auf jeden Fall bringt eine emotionale Annäherung zwischen Noah und mir uns Beiden nur Probleme. Das kann nicht klappen! Ich muss meine Gefühle unterdrücken...
Ich löse mich von der Tür und entkleide mich, um ins Bad zu gehen. Unter der Dusche hoffe ich diese Gedanken vertreiben zu können.
Das warme Wasser durchfeuchtet mein Haar, läuft über meine Schultern und Rücken. Unwillkürlich streichele ich zart über meine Brust. Seitdem ich die Ausbildung beendet habe und von meinem Chef übernommen worden bin, sehne ich mich nach Liebe, nach einem jungen Mann, der genauso für mich empfindet, wie ich für ihn.
Eine Stimme in meinem Inneren flüstert gerade: 'Nutze die Gelegenheit!' Ich schüttele den Kopf, trockne mich ab und ziehe meine Nachtkleidung an. Im Bett kann ich lange nicht einschlafen. Ich will nicht, dass Noah wegen mir seine Klosterlaufbahn abbricht! Irgendwann bin ich schließlich doch eingeschlafen.
*
"Noah, du? Meine Güte, bist du groß geworden!"
Mein Begleiter, bisher stumm die neuen Eindrücke verarbeitend, antwortet ihr:
"Du aber auch... Ich meine... Du bist noch schöner geworden!"
Sie lacht fröhlich auf und neigt ihren Kopf.
"Noah," erklärt sie ihm. "Du wirst für mich immer der kleine Junge von damals bleiben, mit seinen witzigen Einfällen."
Ich schalte mich ein und verspreche ihr:
"Ich kann Euch versichern, dass Sie unsere Anwesenheit nicht behelligen wird, verehrte Frau Li!"
Li Yong Tai bietet uns Platz an. Wir setzen uns in die Sitzgruppe. Ihr Begleiter bleibt stehen und stellt sich vor:
"Ich bin der Personenschützer der Dame. Sie hat mich über Ihren Auftrag informiert. Die Situation ist gefährlicher als die Chefin bereit ist zuzugeben!"
"Ich brauche keine weiteren schießwütigen Cowboys," weist sie ihn zurecht. "Ich brauche Antworten! Ich will wissen, wer mich töten will und warum!"
"Wir sind hier, um Euch zu beschützen!" werfe ich dazwischen. "Nicht um Nachforschungen anzustellen. Dafür ist hierzulande die Polizei zuständig!"
Noah mischt sich ein und verspricht:
"Wir werden herausfinden, wer dahintersteckt, Yong Tai!"
Ich wende mich Noah zu und weise ihn zurecht:
"Wir werden unseren Auftrag nicht ausweiten, mein junger Schüler!"
Noah rudert etwas zurück, als er antwortet:
"Natürlich dient das nur dazu, die ehrenwerte Dame zu beschützen, verehrter Tsopo -Meister-!"
Yong Tai ist unserem verbalen Schlagabtausch mit gerunzelter Stirn gefolgt. Sie wirft vermittelnd ein:
"Vielleicht werden allein durch Eure Anwesenheit die Geheimnisse gelüftet - in der Art, dass der oder die Verbrecher sich aus der Deckung wagen.
Wenn Ihr mich nun entschuldigen würdet. Ich ziehe mich zurück."
Wir erheben uns höflich und neigen den Kopf. Sie erhebt sich ebenfalls und geht davon. Es ist ja auch schon später Abend. Als wir mit dem Personenschützer allein sind, sagt dieser:
"Mich beruhigt es, dass Sie hier sind!
Ich halte mich zumeist im provisorischen Kontrollzentrum auf. Nach Mitternacht löst mich mein Kollege ab. In den Treppenhäusern, unten im Eingang und im Aufzug sind Kameras installiert und die Chefin trägt einen Sender am Körper, für den Fall, dass sie entführt wird.
Ich zeige Ihnen eben noch Ihre Zimmer!"
Er führt uns zu der Zimmerflucht für Gäste und öffnet zwei in asiatischem Stil eingerichtete Zimmer. Ich bedanke mich und wünsche eine 'Gute Nacht'.
*
Nachdem ich, Yong Tai, die Tür zu meiner kleinen Wohnung hinter mir zugezogen habe, lehne ich mich mit dem Rücken an das Türblatt. Ich bin verwirrt. In meinem Kopf dreht sich alles.
Noah, der witzige kleine Junge ist in Gestalt eines jungen Mannes zu mir gekommen. Er hat allerdings nicht geahnt, zu wem ihn sein Tsopo Lama Rinpoche führt. Das habe ich an seiner Reaktion beim Verlassen des Aufzuges gesehen. Er ist genauso verwirrt gewesen und hat nicht die richtigen Worte gefunden.
Noah befindet sich offensichtlich auf dem Weg, ein Mönch zu werden. Ich dagegen bin trotz meiner jungen Jahre schon Europa-Chefin eines großen weltweit operierenden Immobilienkonzerns. Mein Chef auf Hawaii setzt großes Vertrauen in mich, dem ich unbedingt gerecht werden will! Muss ich mich deshalb als Workaholic bezeichnen?
Auf jeden Fall bringt eine emotionale Annäherung zwischen Noah und mir uns Beiden nur Probleme. Das kann nicht klappen! Ich muss meine Gefühle unterdrücken...
Ich löse mich von der Tür und entkleide mich, um ins Bad zu gehen. Unter der Dusche hoffe ich diese Gedanken vertreiben zu können.
Das warme Wasser durchfeuchtet mein Haar, läuft über meine Schultern und Rücken. Unwillkürlich streichele ich zart über meine Brust. Seitdem ich die Ausbildung beendet habe und von meinem Chef übernommen worden bin, sehne ich mich nach Liebe, nach einem jungen Mann, der genauso für mich empfindet, wie ich für ihn.
Eine Stimme in meinem Inneren flüstert gerade: 'Nutze die Gelegenheit!' Ich schüttele den Kopf, trockne mich ab und ziehe meine Nachtkleidung an. Im Bett kann ich lange nicht einschlafen. Ich will nicht, dass Noah wegen mir seine Klosterlaufbahn abbricht! Irgendwann bin ich schließlich doch eingeschlafen.
*
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Samstag, 12. Februar 2022
Doch die Liebe währet ewiglich -19
mariant, 11:19h
Noah macht große Augen. Ich erkläre es ihm:
"Seine Heiligkeit hat mir empfohlen, bei meinem Auftrag einen schusssicheren Anzug zu tragen. Das Kleidungsstück ist schwer, aber es schützt vor feigen Heckenschützen, die aus dem Verborgenen agieren.
Um den Anzug zu beherrschen, muss man zuerst einmal Krafttraining im Anzug machen. Auch Reaktionstraining... Man darf den Anzug nicht mehr als Bürde empfinden, quasi vergessen, dass man ihn trägt. Das dauert ein paar Tage intensiven Trainings! Man muss lernen, auch im Anzug selbstsicher und beherrscht zu sein!"
"Ich darf dich begleiten!" schließt er erfreut aus meinen Ausführungen. Seine Augen strahlen mich an.
"Langsam!" bremse ich ihn. "Zuerst wirst du mit mir im Anzug trainieren. Dies sind weitere Übungen auf deinem Lebensweg. Welche Richtung dein Lebensweg nimmt, weiß man immer erst an den Scheidepunkten!"
Ich erhebe mich und zusammen gehen wir in die Kleiderkammer. Dort ziehen wir eine weite Hose in grauem Außenstoff an. Es folgen Schnürstiefel und eine lange Jacke. Darunter trage ich mein safrangelbes Tshirt und Noah sein dunkelrotes. So angezogen gehen wir in einen kleinen Trainingsraum und beginnen mit dem Krafttraining. In einer Trainingspause fragt Noah:
"Eine bedrängte Schwester in Hamburg. - Was ist da los, Tsopo -Meister-?"
"Wir sollen sie beschützen. Sie hat zwar schon Personenschützer von ihrer Firma gestellt bekommen. Aber sie fühlt sich in Gegenwart eines buddhistischen Mönches aus unserem Kloster sicherer. Sie kennt unseren Ehrenkodex und unsere Fertigkeiten in Verteidigung.
Eine Anzeige bei der Polizei läuft auch schon, wegen Drohbriefen. Der Auftrag wäre mit der Verhaftung der Schuldigen beendet."
"Das klingt unspektakulär!" meint Noah.
"Das sollte es auch sein, mein junger Schüler!" antworte ich. "Aber die Situation könnte eskalieren und dann heißt es, unter allen Umständen Ruhe bewahren und überlegt handeln!"
"Dazu fühle ich mich in der Lage," meint er.
"Hm," mache ich, und schaue ihm in die Augen. "Würdest du mich begleiten, wirst du in Situationen kommen, in denen du Angst bekommst. Das ist menschlich! Du darfst dich von ihr aber niemals beherrschen lassen! Auch dann nicht, wenn es sich dabei um die Angst um nahestehende Personen handelt!
Wenn jemand zum Beispiel deine Mutter angreift und sie sinkt verletzt zu Boden: Niemals darfst du dich dem Zorn hingeben und blinder Aggressivität den Vorrang in deinen Gedanken einräumen. Damit würdest du dich schwächen und deiner Mutter einen Bärendienst erweisen, statt ihr zu helfen!"
Als ich seine Mutter in die Überlegungen hineinziehe, werden Noahs Augen groß. Sein Atem geht schneller. Also senke ich die Hand und fordere ihn auf:
"Ausatmen!"
Dann hebe ich die Hand und sage:
"Einatmen!"
Dies wiederhole ich mehrmals, bis er sich beruhigt hat. Anschließend meine ich:
"Siehst du! Die Angst um eine nahestehende geliebte Person lässt dich noch immer alles vergessen, was du bisher gelernt hast. Du bist noch nicht bereit!"
*
Wir erreichen Hamburg. Ich habe Noah trotz Bedenken mitgenommen, um seinen Charakter weiter zu bilden und damit seine Ausbildung weiterzuführen. Außerdem kennt er unsere Auftraggeberin aus seiner Kindheit.
Vom Hamburger Hauptbahnhof werden wir mit einer schweren Limousine abgeholt und ins Bankenviertel gefahren. Dort hat unsere Auftraggeberin die oberen Etagen eines Bürohochhauses angemietet. Die oberste Etage dient ihr als Wohnung, mit einer Reihe von Gästezimmern und Zimmern für Hausangestellte.
Aus der Tiefgarage fahren wir in Begleitung des Chauffeurs mit dem Aufzug in die neunte Etage. Unwillkürlich werfe ich einen Zipfel des roten Mantels der Mönchskleidung über meine Schulter. Noah, der genauso gekleidet ist, schaut mich an. Ich lächele und er erwidert es.
Aus dem Aufzug betreten wir direkt ein wohnlich eingerichtetes Foyer. Unsere Auftraggeberin empfängt uns in Begleitung eines Mannes in schwarzer Lederkleidung mit einer Schusswaffe im Schulterhalfter.
Ich verbeuge mich und begrüße sie, bevor sie ein Wort an uns richten kann:
"Verehrte Frau Li, es ist mir eine große Freude, Euch gesund wiederzusehen."
Sie neigt höflich ihren Kopf und antwortet:
"Die Wiedersehensfreude ist ganz meinerseits! Ich hätte Euch gerne schon viel früher und unter anderen Umständen wiedergesehen, ehrwürdiger Lama Rinpoche."
"Seine Heiligkeit hat mir empfohlen, bei meinem Auftrag einen schusssicheren Anzug zu tragen. Das Kleidungsstück ist schwer, aber es schützt vor feigen Heckenschützen, die aus dem Verborgenen agieren.
Um den Anzug zu beherrschen, muss man zuerst einmal Krafttraining im Anzug machen. Auch Reaktionstraining... Man darf den Anzug nicht mehr als Bürde empfinden, quasi vergessen, dass man ihn trägt. Das dauert ein paar Tage intensiven Trainings! Man muss lernen, auch im Anzug selbstsicher und beherrscht zu sein!"
"Ich darf dich begleiten!" schließt er erfreut aus meinen Ausführungen. Seine Augen strahlen mich an.
"Langsam!" bremse ich ihn. "Zuerst wirst du mit mir im Anzug trainieren. Dies sind weitere Übungen auf deinem Lebensweg. Welche Richtung dein Lebensweg nimmt, weiß man immer erst an den Scheidepunkten!"
Ich erhebe mich und zusammen gehen wir in die Kleiderkammer. Dort ziehen wir eine weite Hose in grauem Außenstoff an. Es folgen Schnürstiefel und eine lange Jacke. Darunter trage ich mein safrangelbes Tshirt und Noah sein dunkelrotes. So angezogen gehen wir in einen kleinen Trainingsraum und beginnen mit dem Krafttraining. In einer Trainingspause fragt Noah:
"Eine bedrängte Schwester in Hamburg. - Was ist da los, Tsopo -Meister-?"
"Wir sollen sie beschützen. Sie hat zwar schon Personenschützer von ihrer Firma gestellt bekommen. Aber sie fühlt sich in Gegenwart eines buddhistischen Mönches aus unserem Kloster sicherer. Sie kennt unseren Ehrenkodex und unsere Fertigkeiten in Verteidigung.
Eine Anzeige bei der Polizei läuft auch schon, wegen Drohbriefen. Der Auftrag wäre mit der Verhaftung der Schuldigen beendet."
"Das klingt unspektakulär!" meint Noah.
"Das sollte es auch sein, mein junger Schüler!" antworte ich. "Aber die Situation könnte eskalieren und dann heißt es, unter allen Umständen Ruhe bewahren und überlegt handeln!"
"Dazu fühle ich mich in der Lage," meint er.
"Hm," mache ich, und schaue ihm in die Augen. "Würdest du mich begleiten, wirst du in Situationen kommen, in denen du Angst bekommst. Das ist menschlich! Du darfst dich von ihr aber niemals beherrschen lassen! Auch dann nicht, wenn es sich dabei um die Angst um nahestehende Personen handelt!
Wenn jemand zum Beispiel deine Mutter angreift und sie sinkt verletzt zu Boden: Niemals darfst du dich dem Zorn hingeben und blinder Aggressivität den Vorrang in deinen Gedanken einräumen. Damit würdest du dich schwächen und deiner Mutter einen Bärendienst erweisen, statt ihr zu helfen!"
Als ich seine Mutter in die Überlegungen hineinziehe, werden Noahs Augen groß. Sein Atem geht schneller. Also senke ich die Hand und fordere ihn auf:
"Ausatmen!"
Dann hebe ich die Hand und sage:
"Einatmen!"
Dies wiederhole ich mehrmals, bis er sich beruhigt hat. Anschließend meine ich:
"Siehst du! Die Angst um eine nahestehende geliebte Person lässt dich noch immer alles vergessen, was du bisher gelernt hast. Du bist noch nicht bereit!"
*
Wir erreichen Hamburg. Ich habe Noah trotz Bedenken mitgenommen, um seinen Charakter weiter zu bilden und damit seine Ausbildung weiterzuführen. Außerdem kennt er unsere Auftraggeberin aus seiner Kindheit.
Vom Hamburger Hauptbahnhof werden wir mit einer schweren Limousine abgeholt und ins Bankenviertel gefahren. Dort hat unsere Auftraggeberin die oberen Etagen eines Bürohochhauses angemietet. Die oberste Etage dient ihr als Wohnung, mit einer Reihe von Gästezimmern und Zimmern für Hausangestellte.
Aus der Tiefgarage fahren wir in Begleitung des Chauffeurs mit dem Aufzug in die neunte Etage. Unwillkürlich werfe ich einen Zipfel des roten Mantels der Mönchskleidung über meine Schulter. Noah, der genauso gekleidet ist, schaut mich an. Ich lächele und er erwidert es.
Aus dem Aufzug betreten wir direkt ein wohnlich eingerichtetes Foyer. Unsere Auftraggeberin empfängt uns in Begleitung eines Mannes in schwarzer Lederkleidung mit einer Schusswaffe im Schulterhalfter.
Ich verbeuge mich und begrüße sie, bevor sie ein Wort an uns richten kann:
"Verehrte Frau Li, es ist mir eine große Freude, Euch gesund wiederzusehen."
Sie neigt höflich ihren Kopf und antwortet:
"Die Wiedersehensfreude ist ganz meinerseits! Ich hätte Euch gerne schon viel früher und unter anderen Umständen wiedergesehen, ehrwürdiger Lama Rinpoche."
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