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Donnerstag, 17. Februar 2022
Doch die Liebe währet ewiglich -24
mariant, 11:30h
Nach einer schlaflosen Nacht trete ich, Noah, beim ersten Morgenrot hinaus auf die Terrasse. Dort lasse ich mich zum Meditieren auf den Terracotta-Fliesen nieder. Den traumhaften Sonnenaufgang bekomme dadurch nicht mit.
Alles beginnt mit der Selbstbeobachtung während des Sitzens in meditativer Stille. Die Aufmerksamkeit nimmt wahr, dass sich der Geist bestimmte Gedankenbilder spinnt, doch sie identifiziert sich nicht mit der Geschichte, lässt sich nicht von ihr ködern. Der 'Beobachter' hält keinen Gedankensplitter an.
Das unkontrollierte, alltägliche Bewusstsein lässt sich einfangen, lächelt der sehr attraktiven Chinesin in meiner Nähe zu und stellt sich vor, was wohl geschähe, wenn man den Mut hätte, sie darauf anzusprechen und und und...
Die Gedanken, die in meinem Kopf kreisen, beeinflussen auch meine Physis. Daher sollte ich mich nicht wundern, warum ich die letzte Nacht schlaflos verbracht habe. Ich werde mich jetzt und hier einer Selbsterforschung widmen. Auf diese Weise eröffnet sich mir die Möglichkeit, eine gewisse Beeinflussung meines Denkens vorzunehmen. So erschaffe ich mir hilfreiche Vorstellungen im Geist. Yong Tai fühlt etwas in meiner Nähe, will es sich nur nicht eingestehen. Ich darf sie nicht mit meinen Gefühlen überrumpeln. Das lässt sie zurückweichen. Sie mag das Kind in mir, die witzigen Einfälle des kleinen Jungen von damals.
Sobald ich mir bewusst darüber werde, dass vorgestellte Bilder eine Wirkung haben, kann ich das Prinzip für die Beruhigung des Geistes, für die tiefere Meditation und die Entwicklung des 'Zeugenbewusstseins' anwenden.
Hat man mit einiger Übung diesen Zustand erreicht, beginnen der Ausbau und die Pflege dieses vom zwiegespaltenen Denken befreiten, des 'störungsfreien' Bewusstseins. Mein Ich-Bewusstsein beginnt nach diesem Zustand zu streben, von dem Lama Rinpoche immer gesprochen hat.
In den späten Morgenstunden betritt jemand die Terrasse. Die Augen öffnend erkenne ich Yong Tai. Sie trägt ein rückenfreies Kleid. Ich erhebe mich und zusammen treten wir an den Rand der Terrasse.
"Hier ist alles so leicht und unbeschwert," meine ich.
Während sie stumm in die Ferne schaut, berühre ich sie sanft an ihrem Schulterblatt und lasse den Finger ganz sanft über ihre Rippen abwärts wandern. Sie wendet sich mir zu und schaut mich mit sehnsuchtsvollen Augen und offenen Lippen an. Ich halte ihrem Blick lächelnd stand. Unsere Lippen nähern sich einander und vereinigen sich zu einem innigen Kuss. Für einen langen Moment genießt Yong Tai die intime Nähe.
Plötzlich wendet sie sich ab und sagt, als schelte sie sich selbst:
"Nein! Ich hätte das nicht tun dürfen!"
Entschuldigend antworte ich:
"Es tut mir leid!"
Wir schauen beide in eine andere Richtung in die Weite der Natur, bis die hawaiianische Köchin uns an den gedeckten Tisch ruft. Den Rest des Tages gehen wir uns weitgehend aus dem Weg. Bei zufälligen Begegnungen bleiben wir auf höflicher Distanz.
Ich bin traurig. So nah bei dem geliebten Menschen, und doch 'Lichtjahre' voneinander entfernt. Immer wieder spüre ich ihre Gefühle für mich. Dann aber zieht sie eine Mauer zwischen uns und alles ist wie zwischen zwei zufälligen Bekannten.
Ihr das zu verstehen gebend, hält sie mir die unterschiedlichen Lebensplanungen vor. Ein Mönch darf sein Mitgefühl, seine Liebe, nicht auf ein einziges Lebewesen fokussieren. Er soll keinen Besitz anhäufen, sondern seinen Mitgeschöpfen damit helfen. All das steht einer Beziehung im Weg. Aber wie lange kann ein Mensch gegen seine Gefühle handeln?
Am darauffolgenden Tag lassen wir uns vom Gärtner des Anwesens über die Insel fahren. Am Morgen habe ich noch gedacht, Yong Tai sagt die Fahrt ab, aber die Anwesenheit des Angestellten gibt ihr wohl die nötige Sicherheit. Höflich halte ich ihr die Fondtüre auf und setze mich vorne neben den Fahrer.
Wir fahren von dem Privatweg der Villa herunter. Unter uns sehen wir die Wolkenkratzer von Honolulu. Aber wir biegen in der anderen Richtung auf den Pali Highway ein und befinden uns bald in den üppigen Tälern der Naturlandschaft.
Mit dem türkisblauen Meer in der Ferne könnte man fast meinen, eine andere Welt erreicht zu haben. Der Gärtner erklärt uns unterwegs die Natur. Außerdem besuchen wir einige touristisch interessante Ziele und Aussichtspunkte.
Weiter im Norden erreichen wir die Windward Coast. Dort folgen wir dem Kamehameha Highway mit Blick auf das indigoblaue Meer. In der Ferne leuchtet das Grün der Insel Molokai. Zwei kleinere Inseln, Manana und Kaohikaipu kann man ebenfalls vor der Küste erkennen.
Immer wieder erkennt man die grauen Riesen knapp unter der Wasseroberfläche und kann ihre silbrige Fontäne, den 'Blas', beim Ausatmen sehen.
Alles beginnt mit der Selbstbeobachtung während des Sitzens in meditativer Stille. Die Aufmerksamkeit nimmt wahr, dass sich der Geist bestimmte Gedankenbilder spinnt, doch sie identifiziert sich nicht mit der Geschichte, lässt sich nicht von ihr ködern. Der 'Beobachter' hält keinen Gedankensplitter an.
Das unkontrollierte, alltägliche Bewusstsein lässt sich einfangen, lächelt der sehr attraktiven Chinesin in meiner Nähe zu und stellt sich vor, was wohl geschähe, wenn man den Mut hätte, sie darauf anzusprechen und und und...
Die Gedanken, die in meinem Kopf kreisen, beeinflussen auch meine Physis. Daher sollte ich mich nicht wundern, warum ich die letzte Nacht schlaflos verbracht habe. Ich werde mich jetzt und hier einer Selbsterforschung widmen. Auf diese Weise eröffnet sich mir die Möglichkeit, eine gewisse Beeinflussung meines Denkens vorzunehmen. So erschaffe ich mir hilfreiche Vorstellungen im Geist. Yong Tai fühlt etwas in meiner Nähe, will es sich nur nicht eingestehen. Ich darf sie nicht mit meinen Gefühlen überrumpeln. Das lässt sie zurückweichen. Sie mag das Kind in mir, die witzigen Einfälle des kleinen Jungen von damals.
Sobald ich mir bewusst darüber werde, dass vorgestellte Bilder eine Wirkung haben, kann ich das Prinzip für die Beruhigung des Geistes, für die tiefere Meditation und die Entwicklung des 'Zeugenbewusstseins' anwenden.
Hat man mit einiger Übung diesen Zustand erreicht, beginnen der Ausbau und die Pflege dieses vom zwiegespaltenen Denken befreiten, des 'störungsfreien' Bewusstseins. Mein Ich-Bewusstsein beginnt nach diesem Zustand zu streben, von dem Lama Rinpoche immer gesprochen hat.
In den späten Morgenstunden betritt jemand die Terrasse. Die Augen öffnend erkenne ich Yong Tai. Sie trägt ein rückenfreies Kleid. Ich erhebe mich und zusammen treten wir an den Rand der Terrasse.
"Hier ist alles so leicht und unbeschwert," meine ich.
Während sie stumm in die Ferne schaut, berühre ich sie sanft an ihrem Schulterblatt und lasse den Finger ganz sanft über ihre Rippen abwärts wandern. Sie wendet sich mir zu und schaut mich mit sehnsuchtsvollen Augen und offenen Lippen an. Ich halte ihrem Blick lächelnd stand. Unsere Lippen nähern sich einander und vereinigen sich zu einem innigen Kuss. Für einen langen Moment genießt Yong Tai die intime Nähe.
Plötzlich wendet sie sich ab und sagt, als schelte sie sich selbst:
"Nein! Ich hätte das nicht tun dürfen!"
Entschuldigend antworte ich:
"Es tut mir leid!"
Wir schauen beide in eine andere Richtung in die Weite der Natur, bis die hawaiianische Köchin uns an den gedeckten Tisch ruft. Den Rest des Tages gehen wir uns weitgehend aus dem Weg. Bei zufälligen Begegnungen bleiben wir auf höflicher Distanz.
Ich bin traurig. So nah bei dem geliebten Menschen, und doch 'Lichtjahre' voneinander entfernt. Immer wieder spüre ich ihre Gefühle für mich. Dann aber zieht sie eine Mauer zwischen uns und alles ist wie zwischen zwei zufälligen Bekannten.
Ihr das zu verstehen gebend, hält sie mir die unterschiedlichen Lebensplanungen vor. Ein Mönch darf sein Mitgefühl, seine Liebe, nicht auf ein einziges Lebewesen fokussieren. Er soll keinen Besitz anhäufen, sondern seinen Mitgeschöpfen damit helfen. All das steht einer Beziehung im Weg. Aber wie lange kann ein Mensch gegen seine Gefühle handeln?
Am darauffolgenden Tag lassen wir uns vom Gärtner des Anwesens über die Insel fahren. Am Morgen habe ich noch gedacht, Yong Tai sagt die Fahrt ab, aber die Anwesenheit des Angestellten gibt ihr wohl die nötige Sicherheit. Höflich halte ich ihr die Fondtüre auf und setze mich vorne neben den Fahrer.
Wir fahren von dem Privatweg der Villa herunter. Unter uns sehen wir die Wolkenkratzer von Honolulu. Aber wir biegen in der anderen Richtung auf den Pali Highway ein und befinden uns bald in den üppigen Tälern der Naturlandschaft.
Mit dem türkisblauen Meer in der Ferne könnte man fast meinen, eine andere Welt erreicht zu haben. Der Gärtner erklärt uns unterwegs die Natur. Außerdem besuchen wir einige touristisch interessante Ziele und Aussichtspunkte.
Weiter im Norden erreichen wir die Windward Coast. Dort folgen wir dem Kamehameha Highway mit Blick auf das indigoblaue Meer. In der Ferne leuchtet das Grün der Insel Molokai. Zwei kleinere Inseln, Manana und Kaohikaipu kann man ebenfalls vor der Küste erkennen.
Immer wieder erkennt man die grauen Riesen knapp unter der Wasseroberfläche und kann ihre silbrige Fontäne, den 'Blas', beim Ausatmen sehen.
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Mittwoch, 16. Februar 2022
Doch die Liebe währet ewiglich -23
mariant, 10:43h
Dabei äußere ich Zweifel:
"Mir gefällt es nicht, dass wir vielleicht die Leute hinter uns her zu deinen Eltern lotsen, falls man uns beobachtet. Weißt du noch, wie sie deine ehrenwerten Großeltern benutzt haben, um an deine Eltern zu kommen?"
Yong Tai schaut mich fragend an und antwortet:
"Falls es die gleichen Hintermänner sind! - Was sollen wir also deiner Meinung nach tun?"
"Fahren wir zu deiner Vertragswerkstatt. Der Verkauf und die Auftrags-Annahme dürften zu dieser Uhrzeit noch geöffnet sein. Dort stellen wir den Wagen ab und fahren mit einem andersfarbigen Wagen weiter, sobald ein schwarzer Wagen vom Hof fährt. Dann folgen sie erst dem Schwarzen und wir sind ihnen durch die Maschen geschlüpft!"
"Das ist brillant!" pflichtet mir Yong Tai bei und weist den Fahrer an, die Werkstatt anzusteuern.
Wir betreten das Gebäude der Autowerkstatt nach einer Fahrt von wenigen Minuten und Yong Tai fragt nach dem Chef. Der Mann fährt unseren Wagen auf die Hebebühne und einen weißen Wagen mit verdunkelten Scheiben in die Halle. Wir packen um und warten eine Stunde, bis der Chef als Letzter Feierabend macht. Dann fahren wir gleichzeitig mit ihm vom Hof, grüßen kurz und weiter geht?s mit dem Mietwagen.
Gegen ein Uhr in der Nacht erreichen wir das Haus der Familie Li im Frankfurter Umland. Yong Tai hat ihre Mutter unterwegs über das Handy erreicht und unser Kommen angekündigt.
Während der Fahrt auf der Autobahn spricht mich Yong Tai unvermittelt an:
"Ein Leben als Mönch ist sicher nicht einfach... Nicht an die Orte reisen zu können, die irgendwann dein Interesse geweckt haben, oder einfach nur Dinge tun zu können, die du magst."
Ich ergänze sie lächelnd:
"...oder mit denen zusammen sein zu können, die ich liebe."
Yong Tai schüttelt verhalten den Kopf und hakt nach:
"Ist es dir überhaupt erlaubt zu lieben? Ich dachte immer, das ist Mönchen untersagt. Sie leben in Askese."
Ihr lächelnd in die Augen blickend, antworte ich:
"Abhängigkeit ist verboten, persönlicher Besitz ist verboten! Aber Selbstlosigkeit, Eintreten für den Schwächeren, Mitgefühl, welches ich als bedingungslose Liebe definieren würde, ist das Wesentlichste im Leben der Mönche. Liebe zur Natur, zu den Geschöpfen des Himmels, der Erde und des Wassers - und natürlich zu einer nahestehenden Person, die ich kenne. Man kann also sagen, dass wir zur Liebe ermutigt werden."
Yong Tai hört meinen Ausführungen zu und stellt nun fest:
"Du hast dich so sehr verändert, seit damals auf Hawaii!"
Ich antworte ihr:
"Du hast dich überhaupt nicht verändert. Du bist genauso wie ich dich in meinen Träumen in all den Jahren gesehen habe!"
Sie schaut mich verwirrt und zurückhaltend an.
Nachdem wir bei ihren Eltern angekommen sind, beziehen wir unsere Gästezimmer. Beim Frühstück, schon sechs Stunden später, spricht der ehrenwerte Herr Li die Sicherheit der Familie an. Er entscheidet, dass der Personenschützer den Wagen wieder nach Hamburg zurückbringen soll. Dann soll er mit der Bahn zurückkommen und sein Gästezimmer im Haus beziehen. In der gegenwärtigen Situation würde es ausreichen, wenn in Hamburg und in Frankfurt je ein Vertreter der Security anwesend sind. Auch befindet sich dann kein Wagen mit Hamburger Kennzeichen vor dem Haus.
Nachdem der Mann uns verlassen hat, schaut Herr Li uns beide lange an. Schließlich sagt er:
"Yong Tai, liebste Tochter, du musst dich eine Weile zurückziehen! Buche einen Flug nach Hawaii. Ich werde meinen Freund dort informieren. Deine Angestellten werden die Geschäfte auch ohne dich fortführen können? Im Zweifelsfall wird dein Chef einen Vertreter senden!"
"Ehrenwerter Vater," antwortet sie und verbeugt sich. "Ich möchte mich nicht verstecken."
"Der chinesische Drache wird erst ruhen, wenn ich tot bin," spricht ihr ehrenwerter Vater düster aus. "Bis dahin wird er jedes Druckmittel nutzen, dessen er habhaft werden kann!"
Er schaut mich an und ergänzt:
"Der junge Gelong wird dich begleiten und in deiner Nähe sein! Einen loyaleren Beschützer kann ich mir nicht vorstellen!"
*
Zwei Tage darauf landen wir gegen Abend auf Hawaii. Yong Tais Firmenchef, der Freund der Familie Li, hat einen Wagen geschickt, dessen Fahrer uns in einer Villa am Hang des Kilauea absetzt, mitten in üppiger Vegetation. Ich erkenne sie als die Gästevilla, in der wir schon damals nach dem Hongkong-Abenteuer gewohnt haben. Wir beziehen unsere Zimmer und wünschen uns eine Gute Nacht.
"Mir gefällt es nicht, dass wir vielleicht die Leute hinter uns her zu deinen Eltern lotsen, falls man uns beobachtet. Weißt du noch, wie sie deine ehrenwerten Großeltern benutzt haben, um an deine Eltern zu kommen?"
Yong Tai schaut mich fragend an und antwortet:
"Falls es die gleichen Hintermänner sind! - Was sollen wir also deiner Meinung nach tun?"
"Fahren wir zu deiner Vertragswerkstatt. Der Verkauf und die Auftrags-Annahme dürften zu dieser Uhrzeit noch geöffnet sein. Dort stellen wir den Wagen ab und fahren mit einem andersfarbigen Wagen weiter, sobald ein schwarzer Wagen vom Hof fährt. Dann folgen sie erst dem Schwarzen und wir sind ihnen durch die Maschen geschlüpft!"
"Das ist brillant!" pflichtet mir Yong Tai bei und weist den Fahrer an, die Werkstatt anzusteuern.
Wir betreten das Gebäude der Autowerkstatt nach einer Fahrt von wenigen Minuten und Yong Tai fragt nach dem Chef. Der Mann fährt unseren Wagen auf die Hebebühne und einen weißen Wagen mit verdunkelten Scheiben in die Halle. Wir packen um und warten eine Stunde, bis der Chef als Letzter Feierabend macht. Dann fahren wir gleichzeitig mit ihm vom Hof, grüßen kurz und weiter geht?s mit dem Mietwagen.
Gegen ein Uhr in der Nacht erreichen wir das Haus der Familie Li im Frankfurter Umland. Yong Tai hat ihre Mutter unterwegs über das Handy erreicht und unser Kommen angekündigt.
Während der Fahrt auf der Autobahn spricht mich Yong Tai unvermittelt an:
"Ein Leben als Mönch ist sicher nicht einfach... Nicht an die Orte reisen zu können, die irgendwann dein Interesse geweckt haben, oder einfach nur Dinge tun zu können, die du magst."
Ich ergänze sie lächelnd:
"...oder mit denen zusammen sein zu können, die ich liebe."
Yong Tai schüttelt verhalten den Kopf und hakt nach:
"Ist es dir überhaupt erlaubt zu lieben? Ich dachte immer, das ist Mönchen untersagt. Sie leben in Askese."
Ihr lächelnd in die Augen blickend, antworte ich:
"Abhängigkeit ist verboten, persönlicher Besitz ist verboten! Aber Selbstlosigkeit, Eintreten für den Schwächeren, Mitgefühl, welches ich als bedingungslose Liebe definieren würde, ist das Wesentlichste im Leben der Mönche. Liebe zur Natur, zu den Geschöpfen des Himmels, der Erde und des Wassers - und natürlich zu einer nahestehenden Person, die ich kenne. Man kann also sagen, dass wir zur Liebe ermutigt werden."
Yong Tai hört meinen Ausführungen zu und stellt nun fest:
"Du hast dich so sehr verändert, seit damals auf Hawaii!"
Ich antworte ihr:
"Du hast dich überhaupt nicht verändert. Du bist genauso wie ich dich in meinen Träumen in all den Jahren gesehen habe!"
Sie schaut mich verwirrt und zurückhaltend an.
Nachdem wir bei ihren Eltern angekommen sind, beziehen wir unsere Gästezimmer. Beim Frühstück, schon sechs Stunden später, spricht der ehrenwerte Herr Li die Sicherheit der Familie an. Er entscheidet, dass der Personenschützer den Wagen wieder nach Hamburg zurückbringen soll. Dann soll er mit der Bahn zurückkommen und sein Gästezimmer im Haus beziehen. In der gegenwärtigen Situation würde es ausreichen, wenn in Hamburg und in Frankfurt je ein Vertreter der Security anwesend sind. Auch befindet sich dann kein Wagen mit Hamburger Kennzeichen vor dem Haus.
Nachdem der Mann uns verlassen hat, schaut Herr Li uns beide lange an. Schließlich sagt er:
"Yong Tai, liebste Tochter, du musst dich eine Weile zurückziehen! Buche einen Flug nach Hawaii. Ich werde meinen Freund dort informieren. Deine Angestellten werden die Geschäfte auch ohne dich fortführen können? Im Zweifelsfall wird dein Chef einen Vertreter senden!"
"Ehrenwerter Vater," antwortet sie und verbeugt sich. "Ich möchte mich nicht verstecken."
"Der chinesische Drache wird erst ruhen, wenn ich tot bin," spricht ihr ehrenwerter Vater düster aus. "Bis dahin wird er jedes Druckmittel nutzen, dessen er habhaft werden kann!"
Er schaut mich an und ergänzt:
"Der junge Gelong wird dich begleiten und in deiner Nähe sein! Einen loyaleren Beschützer kann ich mir nicht vorstellen!"
*
Zwei Tage darauf landen wir gegen Abend auf Hawaii. Yong Tais Firmenchef, der Freund der Familie Li, hat einen Wagen geschickt, dessen Fahrer uns in einer Villa am Hang des Kilauea absetzt, mitten in üppiger Vegetation. Ich erkenne sie als die Gästevilla, in der wir schon damals nach dem Hongkong-Abenteuer gewohnt haben. Wir beziehen unsere Zimmer und wünschen uns eine Gute Nacht.
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Dienstag, 15. Februar 2022
Doch die Liebe währet ewiglich -22
mariant, 11:59h
"Es gefällt mir nicht, darauf zu warten, dass ihr etwas geschieht!"
"So darfst du es nicht sehen! Wir nehmen Sie aus der Schusslinie, indem sie den Ort wechselt. An den weiteren Aktionen des Gegners sehen wir dann, ob die Angriffe ihr persönlich gelten, oder ihr als Managerin der Immobilienfirma.
Was hat übrigens die Untersuchung des Roboters ergeben?"
"Er wurde unschädlich gemacht. Er hatte eine kleine Bombe eingebaut!"
Ich ziehe die Augenbrauen hoch. Einer Eingebung folgend, frage ich:
"Japanisches oder chinesisches Fabrikat?"
"Herstellungsort Hongkong," antwortet Noah.
Wir haben Li Yong Tais Büro erreicht. Ich informiere die ehrenwerte Dame über meinen Entschluss. Der zweite Personenschützer ist inzwischen hinzugetreten und informiert Li Yong Tai über die Geschehnisse des heutigen Abends. Auch er ist der Meinung, dass sie Hamburg für ein paar Tage verlassen soll. Während Noah und der Personenschützer bei der Dame bleiben, gehe ich zum Kontrollzentrum zurück. Wir warten auf das Eintreffen der Polizeibeamten.
"Ich hoffe, mein Schüler wird nichts Unüberlegtes machen," sage ich, wie im Selbstgespräch.
Der Personenschützer schaut vom Monitor auf und meint:
"Ehrlich gesagt, würde ich mir mehr Sorgen um die Chefin machen."
Ich schaue den Mann lächelnd an.
*
"Mir gefällt die Vorstellung nicht, mich zu verstecken!" sagt Yong Tai, während sie in ihrer Wohnung einige Sachen in einen Koffer packt.
"Lama Rinpoche wird sicher bald die Hintermänner des Attentäters gefunden haben," versuche ich, Noah, sie zu beruhigen.
"Ich habe nicht fünf Jahre dazu verwendet, das Europa-Geschäft zu forcieren, nur um mich mitten in der Arbeit weg zu ducken!"
Yong Tai ist immer noch erregt.
"Manchmal müssen wir loslassen und tun, was von uns verlangt wird," entgegne ich mit sanfter Stimme.
Sie hält in ihrem Tun inne und richtet sich mit einem zusammengelegten Kleid im Arm vor ihrem Koffer auf, um sich zu mir umzudrehen. Mich erstaunt anschauend, stellt sie fest:
"Noah! Du bist erwachsen geworden!"
"Lama Rinpoche gelingt es, das nicht zu bemerken!" antworte ich ihr in bitterem Ton.
"Unsere Lehrer sehen immer zuerst unsere Fehler," meint sie beschwichtigend. "Daran wachsen wir."
Nachdem sie das Kleid vorsichtig in den Koffer gelegt hat, richtet sie sich wieder auf und wendet sich mir zu.
"Noah!"
Ich schaue sie an.
"Versuche," bittet sie mich mit ernstem Gesicht, "nicht so schnell erwachsen zu werden!"
"Aber ich BIN erwachsen!" halte ich ihr vor. "Das hast du eben selbst gesagt!"
Dabei blicke ich sie voller Zuneigung an. Sie schüttelt den Kopf und wendet den Blick ab.
"Bitte, Noah!" sagt sie. "Sieh' mich nicht so an!"
"Warum nicht?" frage ich.
"Es ist mir irgendwie unangenehm!" meint sie.
Ich mache einen Rückzieher. Die gefalteten Hände hebend und den Kopf leicht neigend, sage ich:
"Entschuldigung, ehrenwerte Dame!"
Innerlich lächele ich. Ich bin ihr nicht gleichgültig. Sie fühlt etwas in meiner Nähe.
Endlich schließt sie die Koffer. Der Personenschützer und ich nehmen je einen Koffer auf. Anschließend gehen wir zu den Aufzügen und fahren zur Tiefgarage des Bürohauses.
Im Aufzug sagt sie zu mir:
"Auf einmal habe ich Angst!"
Ich antworte ihr:
"Der erste Auftrag ohne Lama Rinpoche an meiner Seite! Mir geht es genauso. Aber keine Sorge. Es wird schon schiefgehen!"
Ich lächele sie an und sie lacht befreit auf.
In der Tiefgarage gehen wir zu der gepanzerten Limousine und packen das Gepäck in den Kofferraum. Danach nehmen wir auf der Rückbank Platz. Der Personenschützer setzt sich ans Steuer und fährt den Wagen die gewundene Rampe hoch.
"So darfst du es nicht sehen! Wir nehmen Sie aus der Schusslinie, indem sie den Ort wechselt. An den weiteren Aktionen des Gegners sehen wir dann, ob die Angriffe ihr persönlich gelten, oder ihr als Managerin der Immobilienfirma.
Was hat übrigens die Untersuchung des Roboters ergeben?"
"Er wurde unschädlich gemacht. Er hatte eine kleine Bombe eingebaut!"
Ich ziehe die Augenbrauen hoch. Einer Eingebung folgend, frage ich:
"Japanisches oder chinesisches Fabrikat?"
"Herstellungsort Hongkong," antwortet Noah.
Wir haben Li Yong Tais Büro erreicht. Ich informiere die ehrenwerte Dame über meinen Entschluss. Der zweite Personenschützer ist inzwischen hinzugetreten und informiert Li Yong Tai über die Geschehnisse des heutigen Abends. Auch er ist der Meinung, dass sie Hamburg für ein paar Tage verlassen soll. Während Noah und der Personenschützer bei der Dame bleiben, gehe ich zum Kontrollzentrum zurück. Wir warten auf das Eintreffen der Polizeibeamten.
"Ich hoffe, mein Schüler wird nichts Unüberlegtes machen," sage ich, wie im Selbstgespräch.
Der Personenschützer schaut vom Monitor auf und meint:
"Ehrlich gesagt, würde ich mir mehr Sorgen um die Chefin machen."
Ich schaue den Mann lächelnd an.
*
"Mir gefällt die Vorstellung nicht, mich zu verstecken!" sagt Yong Tai, während sie in ihrer Wohnung einige Sachen in einen Koffer packt.
"Lama Rinpoche wird sicher bald die Hintermänner des Attentäters gefunden haben," versuche ich, Noah, sie zu beruhigen.
"Ich habe nicht fünf Jahre dazu verwendet, das Europa-Geschäft zu forcieren, nur um mich mitten in der Arbeit weg zu ducken!"
Yong Tai ist immer noch erregt.
"Manchmal müssen wir loslassen und tun, was von uns verlangt wird," entgegne ich mit sanfter Stimme.
Sie hält in ihrem Tun inne und richtet sich mit einem zusammengelegten Kleid im Arm vor ihrem Koffer auf, um sich zu mir umzudrehen. Mich erstaunt anschauend, stellt sie fest:
"Noah! Du bist erwachsen geworden!"
"Lama Rinpoche gelingt es, das nicht zu bemerken!" antworte ich ihr in bitterem Ton.
"Unsere Lehrer sehen immer zuerst unsere Fehler," meint sie beschwichtigend. "Daran wachsen wir."
Nachdem sie das Kleid vorsichtig in den Koffer gelegt hat, richtet sie sich wieder auf und wendet sich mir zu.
"Noah!"
Ich schaue sie an.
"Versuche," bittet sie mich mit ernstem Gesicht, "nicht so schnell erwachsen zu werden!"
"Aber ich BIN erwachsen!" halte ich ihr vor. "Das hast du eben selbst gesagt!"
Dabei blicke ich sie voller Zuneigung an. Sie schüttelt den Kopf und wendet den Blick ab.
"Bitte, Noah!" sagt sie. "Sieh' mich nicht so an!"
"Warum nicht?" frage ich.
"Es ist mir irgendwie unangenehm!" meint sie.
Ich mache einen Rückzieher. Die gefalteten Hände hebend und den Kopf leicht neigend, sage ich:
"Entschuldigung, ehrenwerte Dame!"
Innerlich lächele ich. Ich bin ihr nicht gleichgültig. Sie fühlt etwas in meiner Nähe.
Endlich schließt sie die Koffer. Der Personenschützer und ich nehmen je einen Koffer auf. Anschließend gehen wir zu den Aufzügen und fahren zur Tiefgarage des Bürohauses.
Im Aufzug sagt sie zu mir:
"Auf einmal habe ich Angst!"
Ich antworte ihr:
"Der erste Auftrag ohne Lama Rinpoche an meiner Seite! Mir geht es genauso. Aber keine Sorge. Es wird schon schiefgehen!"
Ich lächele sie an und sie lacht befreit auf.
In der Tiefgarage gehen wir zu der gepanzerten Limousine und packen das Gepäck in den Kofferraum. Danach nehmen wir auf der Rückbank Platz. Der Personenschützer setzt sich ans Steuer und fährt den Wagen die gewundene Rampe hoch.
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