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Sonntag, 20. Februar 2022
Doch die Liebe währet ewiglich -27
mariant, 12:12h
Es hört sich erleichtert und glücklich an, als er mir antwortet:
"Das will ich dir gerne versprechen! Hoch und heilig!"
Dann umfasst er meinen Nacken und zieht mich zu sich herunter. Es folgt ein langer und inniger Kuss. Etwas atemlos in seinen Armen liegend, ergänze ich:
"Kein Zorn, keine Furcht, keine Aggressivität! Sonst würdest du unsere Liebe zerstören!"
"Ich verspreche dir, mein ganzes Leben an mir zu arbeiten," antwortet Noah mit ernstem Gesicht.
Wieder küssen wir uns leidenschaftlich. In eine Atempause hinein sage ich:
"Mein Shijiamouni -Siddharta-! Mein Prinz!"
In den folgenden Wochen unternehmen wir viel gemeinsam. Am witzigsten und zugleich emotionalsten habe ich darunter den Besuch in einer Karaoke-Bar in Honolulu empfunden. Er betritt die Bühne und sucht eine Melodie heraus. Dann erklärt er vor allen Leuten:
"Dieses Lied widme ich der schönsten und liebenswertesten Frau, die ich kenne!"
Danach singt, oder besser: grölt er mein Lieblingslied. Das Publikum in der Bar geht lachend mit und mimt die Background-Sänger. Anschließend klatscht der ganze Saal.
Wir schlafen schon längst im breiten Bett meines Schlafzimmers zusammen. Anfangs hat er mich schüchtern gestreichelt. Ich habe seine Hand geführt. Irgendwann rückt er nahe an mich heran und legt seine Hand um meine Schultern. Ich flüstere:
"Ich weiß nicht, wie lange es her ist, dass mich jemand so lieb festgehalten hat."
Er legt seine Wange an meine und antwortet:
"Du siehst wunderschön aus!"
Da Noah damit offensichtlich an mir vorbeiredet und mir doch dabei ein liebes Kompliment macht, muss ich lachen. Ich drehe mich auf den Rücken und gebe ihm einen Kuss.
*
Ein halbes Jahr später komme ich gerade von der Untersuchung bei meinem Frauenarzt, der meinen Verdacht bestätigt hat. Noah steht im Eingang der Villa, als ich aus dem Wagen steige. Wir laufen aufeinander zu, umarmen und küssen uns.
Nachdem er mich losgelassen hat, streichele ich ihn zärtlich. Mir kommen nur die Worte "Oh, Noah!" über die Lippen. Ich schaue ihn unsicher an. Er drückt mich stumm an sich. Schließlich kann ich es doch aussprechen:
"Noah, ich bin schwanger!"
Er hebt mich an und dreht sich mit mir um seine Achse. Dabei lächelt er glücklich und hat feuchte Augen.
"Das ist... Das... Oh, das ist wunderschön!" stammelt er.
Ich schaue ihn mit ängstlichen Augen an und flüstere:
"Was sollen wir jetzt bloß machen?"
Noah lacht glücklich und antwortet:
"Auf keinen Fall werden wir uns jetzt Sorgen machen! Einverstanden?"
Wieder fallen wir uns in die Arme und küssen uns. Tränen der Erleichterung laufen mir über die Wangen und werden von seinen Lippen aufgefangen.
*
In den folgenden Wochen planen wir unsere Hochzeit. Dazu gehört in den USA auch ein Notar, der gegenüber dem Standesamt die Heirat bezeugen muss. Ebenso beantragen wir für Noah die US-Staatbürgerschaft. Ich bin der Meinung, dass das für unsere Zukunft von Vorteil sein wird.
Auch benötigen wir vor der Hochzeit eine Heirats-Lizenz. Bei der zuständigen Behörde beantragen wir die Lizenz, mit der wir beurkunden, dass wir aus freien Stücken heiraten wollen. Dazu müssen wir persönlich vor dem Beamten erscheinen, der die Lizenz ausstellt.
Schließlich informieren wir unsere Eltern und machen einen Termin fest. Eine Woche vorher wollen sie kommen und insgesamt drei Wochen bleiben. Ich schwebe in höheren Sphären in den Wochen bis dahin.
Eine kleine Privatmaschine meines Unternehmens wird die insgesamt 20 Hochzeitsgäste über New York und San Franzisko zu uns nach Hawaii fliegen. Die Gästevilla, in der wir seit über einem halben Jahr wohnen, schenkt mir mein Arbeitgeber zur Hochzeit.
Dann ist der Tag gekommen, an dem unsere Eltern, Großeltern und Noahs Patenfamilie ankommen sollen. Wir fahren mit einem gemieteten Bus zu dem kleinen Sportflughafen und warten im Abfertigungsgebäude. Heute ist ein schöner Tag. Nur wenige Wolken sind am Himmel zu sehen. Plötzlich erkennen wir aus der angekündigten Anflugrichtung einen Feuerball, der schnell größer wird.
Ich schreie auf und sinke Noah haltlos schluchzend in die Arme. Wenige Minuten später kommt eine Angestellte des Flugplatzes auf uns zu und sagt:
"Es tut uns leid, aber wir haben die Maschine im Landeanflug verloren... Alles Nötige zur Aufklärung wurde schon in die Wege geleitet. Warten Sie bitte zuhause auf weitere Details. Sobald wir mehr wissen, werden wir Sie informieren!"
In der nächsten Zeit ist Noah ganz besonders bemüht um mich. Er begleitet mich überall hin. Anfangs haben wir Angst gehabt, dass wir unser Kind verlieren, aber der Arzt kann uns beruhigen.
Mein Chef, der durch den Flugzeugabsturz mit meinem ehrenwerten Vater auch einen guten Freund verloren hat, ist uns bei allem behilflich. Er ist wie ein Vater für mich. Wir heiraten in ganz kleiner Runde in unserem festlich geschmückten Living-Room. Der Notar, der danach das Registry Office -Standesamt- informiert, nimmt uns das Eheversprechen ab. Unsere Bediensteten, der Gärtner und die Köchin, sind unsere Trauzeugen. Mein Arbeitgeber ist natürlich anwesend und auch meine Freundinnen aus der Zeit meiner Ausbildung hier auf Hawaii. Dass die jungen Frauen mit ihren Männern gekommen sind, freut mich besonders und lässt mich etwas zur Ruhe kommen.
"Das will ich dir gerne versprechen! Hoch und heilig!"
Dann umfasst er meinen Nacken und zieht mich zu sich herunter. Es folgt ein langer und inniger Kuss. Etwas atemlos in seinen Armen liegend, ergänze ich:
"Kein Zorn, keine Furcht, keine Aggressivität! Sonst würdest du unsere Liebe zerstören!"
"Ich verspreche dir, mein ganzes Leben an mir zu arbeiten," antwortet Noah mit ernstem Gesicht.
Wieder küssen wir uns leidenschaftlich. In eine Atempause hinein sage ich:
"Mein Shijiamouni -Siddharta-! Mein Prinz!"
In den folgenden Wochen unternehmen wir viel gemeinsam. Am witzigsten und zugleich emotionalsten habe ich darunter den Besuch in einer Karaoke-Bar in Honolulu empfunden. Er betritt die Bühne und sucht eine Melodie heraus. Dann erklärt er vor allen Leuten:
"Dieses Lied widme ich der schönsten und liebenswertesten Frau, die ich kenne!"
Danach singt, oder besser: grölt er mein Lieblingslied. Das Publikum in der Bar geht lachend mit und mimt die Background-Sänger. Anschließend klatscht der ganze Saal.
Wir schlafen schon längst im breiten Bett meines Schlafzimmers zusammen. Anfangs hat er mich schüchtern gestreichelt. Ich habe seine Hand geführt. Irgendwann rückt er nahe an mich heran und legt seine Hand um meine Schultern. Ich flüstere:
"Ich weiß nicht, wie lange es her ist, dass mich jemand so lieb festgehalten hat."
Er legt seine Wange an meine und antwortet:
"Du siehst wunderschön aus!"
Da Noah damit offensichtlich an mir vorbeiredet und mir doch dabei ein liebes Kompliment macht, muss ich lachen. Ich drehe mich auf den Rücken und gebe ihm einen Kuss.
*
Ein halbes Jahr später komme ich gerade von der Untersuchung bei meinem Frauenarzt, der meinen Verdacht bestätigt hat. Noah steht im Eingang der Villa, als ich aus dem Wagen steige. Wir laufen aufeinander zu, umarmen und küssen uns.
Nachdem er mich losgelassen hat, streichele ich ihn zärtlich. Mir kommen nur die Worte "Oh, Noah!" über die Lippen. Ich schaue ihn unsicher an. Er drückt mich stumm an sich. Schließlich kann ich es doch aussprechen:
"Noah, ich bin schwanger!"
Er hebt mich an und dreht sich mit mir um seine Achse. Dabei lächelt er glücklich und hat feuchte Augen.
"Das ist... Das... Oh, das ist wunderschön!" stammelt er.
Ich schaue ihn mit ängstlichen Augen an und flüstere:
"Was sollen wir jetzt bloß machen?"
Noah lacht glücklich und antwortet:
"Auf keinen Fall werden wir uns jetzt Sorgen machen! Einverstanden?"
Wieder fallen wir uns in die Arme und küssen uns. Tränen der Erleichterung laufen mir über die Wangen und werden von seinen Lippen aufgefangen.
*
In den folgenden Wochen planen wir unsere Hochzeit. Dazu gehört in den USA auch ein Notar, der gegenüber dem Standesamt die Heirat bezeugen muss. Ebenso beantragen wir für Noah die US-Staatbürgerschaft. Ich bin der Meinung, dass das für unsere Zukunft von Vorteil sein wird.
Auch benötigen wir vor der Hochzeit eine Heirats-Lizenz. Bei der zuständigen Behörde beantragen wir die Lizenz, mit der wir beurkunden, dass wir aus freien Stücken heiraten wollen. Dazu müssen wir persönlich vor dem Beamten erscheinen, der die Lizenz ausstellt.
Schließlich informieren wir unsere Eltern und machen einen Termin fest. Eine Woche vorher wollen sie kommen und insgesamt drei Wochen bleiben. Ich schwebe in höheren Sphären in den Wochen bis dahin.
Eine kleine Privatmaschine meines Unternehmens wird die insgesamt 20 Hochzeitsgäste über New York und San Franzisko zu uns nach Hawaii fliegen. Die Gästevilla, in der wir seit über einem halben Jahr wohnen, schenkt mir mein Arbeitgeber zur Hochzeit.
Dann ist der Tag gekommen, an dem unsere Eltern, Großeltern und Noahs Patenfamilie ankommen sollen. Wir fahren mit einem gemieteten Bus zu dem kleinen Sportflughafen und warten im Abfertigungsgebäude. Heute ist ein schöner Tag. Nur wenige Wolken sind am Himmel zu sehen. Plötzlich erkennen wir aus der angekündigten Anflugrichtung einen Feuerball, der schnell größer wird.
Ich schreie auf und sinke Noah haltlos schluchzend in die Arme. Wenige Minuten später kommt eine Angestellte des Flugplatzes auf uns zu und sagt:
"Es tut uns leid, aber wir haben die Maschine im Landeanflug verloren... Alles Nötige zur Aufklärung wurde schon in die Wege geleitet. Warten Sie bitte zuhause auf weitere Details. Sobald wir mehr wissen, werden wir Sie informieren!"
In der nächsten Zeit ist Noah ganz besonders bemüht um mich. Er begleitet mich überall hin. Anfangs haben wir Angst gehabt, dass wir unser Kind verlieren, aber der Arzt kann uns beruhigen.
Mein Chef, der durch den Flugzeugabsturz mit meinem ehrenwerten Vater auch einen guten Freund verloren hat, ist uns bei allem behilflich. Er ist wie ein Vater für mich. Wir heiraten in ganz kleiner Runde in unserem festlich geschmückten Living-Room. Der Notar, der danach das Registry Office -Standesamt- informiert, nimmt uns das Eheversprechen ab. Unsere Bediensteten, der Gärtner und die Köchin, sind unsere Trauzeugen. Mein Arbeitgeber ist natürlich anwesend und auch meine Freundinnen aus der Zeit meiner Ausbildung hier auf Hawaii. Dass die jungen Frauen mit ihren Männern gekommen sind, freut mich besonders und lässt mich etwas zur Ruhe kommen.
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Samstag, 19. Februar 2022
Doch die Liebe währet ewiglich -26
mariant, 10:55h
Ich erhebe mich und erwidere ihm: "Ich werde mich nicht darauf einlassen!", obwohl mir mein Herz längst etwas anderes zuflüstert.
Noah ist ebenfalls aufgestanden. Er entfernt sich zwei Schritte und dreht sich dann zu mir um. Er sagt:
"Aber was wäre, wenn... Stelle dir einmal vor, es könnte unser Geheimnis sein."
Meine Gefühle klammern sich inzwischen ebenfalls an diese Möglichkeit. Dennoch sage ich, ihn entgeistert anschauend:
"Wir können nicht mit einer Lüge leben! Das halten wir nicht durch. Könntest du so leben? Könntest du es, Noah?"
Nach kurzer Überlegung antwortet er:
"Nein! Du hast Recht. Es würde uns zerstören."
Wir gehen uns ein paar Tage aus dem Weg. Ich weiß nicht, ob Noah überhaupt etwas isst. Schließlich kann ich es nicht mehr mit ansehen und gehe des Morgens früh in die Küche. Unsere Köchin ist schon damit beschäftigt, den heutigen Tag kulinarisch vorzubereiten.
"Guten Morgen, Madam," begrüßt sie mich.
"Guten Morgen, Luana," antworte ich ihr.
"Es ist noch sehr früh!" wundert sie sich. "Sie können nicht gut schlafen?"
"Nein, leider," erwidere ich ihr. "Ich denke, ich habe momentan zu viele Dinge im Kopf."
Ich bin froh, jetzt gerade jemanden zu haben, dem ich mein Herz ausschütten kann.
"Machen Sie sich Sorgen um Ihre Arbeit?" fragt sie mitfühlend.
"Ich mache mir Sorgen um Noah," erkläre ich ihr. "Ich fürchte, ich habe ihn verletzt. So richtig weiß ich es nicht. Vielleicht habe ich mich durch meine Worte aber auch selbst verletzt. Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich verwirrt."
"Ich bin mir nicht sicher, ob Sie sich dadurch besser fühlen werden, Madam, aber ich bin auch oft verwirrt, wenn es um Menschen geht."
"Ich möchte, dass er weiß, dass er mir wichtig ist. Ich sorge mich um ihn," sage ich leise, wie im Selbstgespräch.
"Machen Sie sich keine Sorgen um Master Noah, Madam. Er macht den Eindruck, dass er gut auf sich selbst aufpassen kann. Sogar an diesem einsamen Ort!"
Ich bedanke mich für die Aufmunterung und lasse mir ein Tablett mit hawaiianischer Kost fertig machen, das ich danach zu ihm trage. Ich finde ihn meditierend. Unterwegs kommt mir immer mehr die Erkenntnis, dass ich in Bezug auf Noah mit dem Feuer spiele, wenn ich weiterhin mehr auf mein Herz höre. Wie ich spüre, ist das trotz allem ein erregender Gedanke! Soll ich alle Konventionen über Bord werfen und mich meinen Gefühlen hingeben?
*
Ich, Noah, habe die meiste Zeit der folgenden Tage meditierend verbracht, nur unterbrochen von Spaziergängen durch die überwältigende Natur Hawaiis. In meinen Meditationen versuche ich, mich immer weiter zu entwickeln. Ich trete quasi neben mich und beobachte meine Gedanken und Gefühle, mein inneres Wesen also. Mein ICH kann mein inneres Wesen nicht fühlen, das kann es nur selbst tun.
Der innere Beobachter, das 'Zeugenbewusstsein', ist nun das Bewusstsein des inneren Wesens, das geweckt werden muss. Denn solange das innere Wesen sich selbst nicht bewusst erkennt, bleibt es inaktiv - es schläft. In diesem Stadium befinde ich mich noch.
Wenn Erkennen möglich werden soll, muss es zwei geben: einen Erkennenden und ein Erkanntes, also eine Dualität.
*
Bei meinem Näherkommen öffnet Noah die Augen und schaut mich prüfend an.
"Ich habe hier etwas für dich," sage ich mit sanfter Stimme und frage ihn: "Hast du Hunger?"
"Gern, danke dir," antwortet Noah und lächelt mich an.
Ich setze mich ihm gegenüber auf den Boden, zwischen uns das Tablett, und bleibe bei ihm bis er seinen Hunger gestillt hat.
"Ich habe mir überlegt," beginne ich dann. "Wir sind erwachsen und können über unseren Lebensweg selbst entscheiden. Wenn ich in mich hineinhorche, fühle ich tiefe Zuneigung für dich. Ja, auch ich sehne mich nach deiner Nähe."
Er schaut mich von der anderen Seite des Tabletts an, als wäre ich ein Geist. Seine Augen beginnen zu strahlen, heller als die Sonne. Unvermittelt schnellt er mit dem Oberkörper über das Tablett auf mich zu und wirft mich dabei um. Wir rollen ein wenig über den Teppich. Wieder bin ich obenauf - sicher, weil er es zulässt -, stemme mich hoch und fordere:
"Versprich mir, dass du die Ideale des Mönchtums hochhältst! Keine Abhängigkeiten, kein eigener Besitz, Selbstlosigkeit, Mitgefühl, Liebe. Auch wenn dein Lebensweg dich an meiner Seite in die freie Wirtschaft führen sollte!"
Noah ist ebenfalls aufgestanden. Er entfernt sich zwei Schritte und dreht sich dann zu mir um. Er sagt:
"Aber was wäre, wenn... Stelle dir einmal vor, es könnte unser Geheimnis sein."
Meine Gefühle klammern sich inzwischen ebenfalls an diese Möglichkeit. Dennoch sage ich, ihn entgeistert anschauend:
"Wir können nicht mit einer Lüge leben! Das halten wir nicht durch. Könntest du so leben? Könntest du es, Noah?"
Nach kurzer Überlegung antwortet er:
"Nein! Du hast Recht. Es würde uns zerstören."
Wir gehen uns ein paar Tage aus dem Weg. Ich weiß nicht, ob Noah überhaupt etwas isst. Schließlich kann ich es nicht mehr mit ansehen und gehe des Morgens früh in die Küche. Unsere Köchin ist schon damit beschäftigt, den heutigen Tag kulinarisch vorzubereiten.
"Guten Morgen, Madam," begrüßt sie mich.
"Guten Morgen, Luana," antworte ich ihr.
"Es ist noch sehr früh!" wundert sie sich. "Sie können nicht gut schlafen?"
"Nein, leider," erwidere ich ihr. "Ich denke, ich habe momentan zu viele Dinge im Kopf."
Ich bin froh, jetzt gerade jemanden zu haben, dem ich mein Herz ausschütten kann.
"Machen Sie sich Sorgen um Ihre Arbeit?" fragt sie mitfühlend.
"Ich mache mir Sorgen um Noah," erkläre ich ihr. "Ich fürchte, ich habe ihn verletzt. So richtig weiß ich es nicht. Vielleicht habe ich mich durch meine Worte aber auch selbst verletzt. Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich verwirrt."
"Ich bin mir nicht sicher, ob Sie sich dadurch besser fühlen werden, Madam, aber ich bin auch oft verwirrt, wenn es um Menschen geht."
"Ich möchte, dass er weiß, dass er mir wichtig ist. Ich sorge mich um ihn," sage ich leise, wie im Selbstgespräch.
"Machen Sie sich keine Sorgen um Master Noah, Madam. Er macht den Eindruck, dass er gut auf sich selbst aufpassen kann. Sogar an diesem einsamen Ort!"
Ich bedanke mich für die Aufmunterung und lasse mir ein Tablett mit hawaiianischer Kost fertig machen, das ich danach zu ihm trage. Ich finde ihn meditierend. Unterwegs kommt mir immer mehr die Erkenntnis, dass ich in Bezug auf Noah mit dem Feuer spiele, wenn ich weiterhin mehr auf mein Herz höre. Wie ich spüre, ist das trotz allem ein erregender Gedanke! Soll ich alle Konventionen über Bord werfen und mich meinen Gefühlen hingeben?
*
Ich, Noah, habe die meiste Zeit der folgenden Tage meditierend verbracht, nur unterbrochen von Spaziergängen durch die überwältigende Natur Hawaiis. In meinen Meditationen versuche ich, mich immer weiter zu entwickeln. Ich trete quasi neben mich und beobachte meine Gedanken und Gefühle, mein inneres Wesen also. Mein ICH kann mein inneres Wesen nicht fühlen, das kann es nur selbst tun.
Der innere Beobachter, das 'Zeugenbewusstsein', ist nun das Bewusstsein des inneren Wesens, das geweckt werden muss. Denn solange das innere Wesen sich selbst nicht bewusst erkennt, bleibt es inaktiv - es schläft. In diesem Stadium befinde ich mich noch.
Wenn Erkennen möglich werden soll, muss es zwei geben: einen Erkennenden und ein Erkanntes, also eine Dualität.
*
Bei meinem Näherkommen öffnet Noah die Augen und schaut mich prüfend an.
"Ich habe hier etwas für dich," sage ich mit sanfter Stimme und frage ihn: "Hast du Hunger?"
"Gern, danke dir," antwortet Noah und lächelt mich an.
Ich setze mich ihm gegenüber auf den Boden, zwischen uns das Tablett, und bleibe bei ihm bis er seinen Hunger gestillt hat.
"Ich habe mir überlegt," beginne ich dann. "Wir sind erwachsen und können über unseren Lebensweg selbst entscheiden. Wenn ich in mich hineinhorche, fühle ich tiefe Zuneigung für dich. Ja, auch ich sehne mich nach deiner Nähe."
Er schaut mich von der anderen Seite des Tabletts an, als wäre ich ein Geist. Seine Augen beginnen zu strahlen, heller als die Sonne. Unvermittelt schnellt er mit dem Oberkörper über das Tablett auf mich zu und wirft mich dabei um. Wir rollen ein wenig über den Teppich. Wieder bin ich obenauf - sicher, weil er es zulässt -, stemme mich hoch und fordere:
"Versprich mir, dass du die Ideale des Mönchtums hochhältst! Keine Abhängigkeiten, kein eigener Besitz, Selbstlosigkeit, Mitgefühl, Liebe. Auch wenn dein Lebensweg dich an meiner Seite in die freie Wirtschaft führen sollte!"
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Freitag, 18. Februar 2022
Doch die Liebe währet ewiglich -25
mariant, 11:02h
In den Tälern des Landesinneren beobachten wir einige endemische Vogelarten, so die Hawaiikrähe, die Hawaiiente, der Hawaiibussard und die Laysanente. Außerdem besiedeln viele Spinnen- und Insektenarten die Insel, erklärt der Gärtner.
Er sagt, die Staatsblume von Hawaii sei der Hibiskus, von dem es hier sieben verschiedene Arten gibt. Ausschließlich auf Hawaii kommt die Vulkanpalme vor. Sie kann bis zu fünf Meter hoch wachsen und klammert sich mit ihren Wurzeln an Basaltklippen in Meeresnähe.
Zurück bei Honolulu führt der Highway durch einen üppigen Regenwald. Ein Weg führt durch den Wald zu einem Wasserfall. Dort lässt Yong Tai halten. Der Fahrer holt eine Decke und einen großen Korb aus dem Kofferraum. Yong Tai dirigiert ihn damit auf eine Wiese neben der Straße. Ich helfe dem Mann, das Picknick vorzubereiten. Anschließend verzieht er sich mit einem Lunchpaket hinter das Steuer des Wagens.
Wir sitzen alleine auf der Decke, zwischen uns der Korb. Ich bin erstaunt, dass Yong Tai mich bedient. Sie fragt nach meinen Wünschen und lädt danach meinen Teller voll. Höflich warte ich, bis auch sie sich bedient hat.
Im folgenden Smalltalk fragt sie mich, wie es mir in den vergangenen Jahren ergangen ist. Ich erzähle ihr, dass mein Vater mir nach dem Hongkong-Abenteuer verboten hat, das Kloster noch einmal zu betreten.
"Das kann ich gut nachvollziehen!" meint sie. "Zum einen warst du in einem Alter, indem die Schule das Wichtigste für dich sein sollte. Zum anderen wird er befürchtet haben, dass es vielleicht zu weiteren Abenteuern dieser Art hätte kommen können."
Auch ich bin neugierig auf Yong Tais bisheriges Leben. Irgendwann im Gespräch erzählt sie mir von einer Schwärmerei im Alter von 12 Jahren. Davon ermutigt, spreche ich an, dass auch ich im Alter von 13Jahren einmal in ein Mädchen verliebt gewesen bin, die allerdings keine Notiz von mir genommen hat.
Innerlich warte ich auf eine Gelegenheit, den kleinen Jungen in mir heraus zu lassen.
*
Heute haben wir eine Erkundung der Insel geplant. Unser Gärtner, ein native Hawaiian, wird den Wagen fahren und uns die Gegend und deren Tiere und Pflanzen erklären. Von unserer Köchin habe ich einen Picknick-Korb füllen lassen für eine Pause unterwegs. Ich habe da eine Wiese an einem Wasserfall im Blick. Den Platz habe ich in der Ausbildung oft mit anderen Mädels aufgesucht. Es ist ein romantischer Ort.
Nach der ausgiebigen und lehrreichen Tour fährt der Mann in an den von mir bezeichneten Platz im Regenwald. Bald hält er an der Wiese mit dem wildromantischen Wasserfall im Hintergrund. Während sich der Gärtner diskret ins Fahrzeug zurückzieht, beginne ich mit Noah unbeschwerten Smalltalk.
Als wir den Picknick-Korb weitgehend geleert haben, steht Noah plötzlich auf und läuft in Richtung des Wasserfalles davon. Ich schüttele den Kopf. Mal wieder einer dieser spontanen Einfälle, die ich trotz allem an ihm so sehr liebe!
Ihm hinterher schauend sammele ich schon einmal das Geschirr und Besteck ein. Plötzlich breitet er die Arme aus und fällt vornüber ins hohe Gras. Er bewegt sich kurz und bleibt dann auf dem Bauch liegen.
Besorgt springe ich auf und laufe zu ihm. Schon von unterwegs rufe ich ihm zu:
"Noah! Noah, ist alles in Ordnung?"
Bei ihm angekommen, knie ich mich neben ihn und drehe ihn auf den Rücken. Lachend greift er nach mir und zieht mich zu sich herunter. Leicht verärgert rolle ich mich weg. Er macht die Rolle mit und so wälzen wir uns wie zwei Kinder lachend im Gras. Schließlich kommen wir atemlos zur Ruhe.
Nun liege ich auf ihm. Ich stemme mich hoch und schaue in sein glückliches Gesicht. Irgendwie fühle ich mich wie damals, als ich im Alter von zwölf Jahren für einen Jungen geschwärmt habe. Noah hat es geschafft, mein rationales Gedankenkonstrukt zu durchbrechen, das meine Gefühle eingesperrt gehalten hat. Ich beuge mich zu ihm hinunter und küsse ihn auf die Stirn. Dann springe ich auf und laufe mit wehenden Haaren lachend zum Wagen zurück.
Er rappelt sich auf und folgt mir. Beim Picknick-Korb erreicht er mich. Nun umfasst er meine Schultern von hinten und legt seine Wange an meine. Dabei flüstert er:
"Wie gut du riechst!"
Gemeinsam packen wir die Sachen zusammen und tragen sie zum Wagen zurück. Die Rückfahrt zur Villa verbringen wir nebeneinandersitzend auf der Rückbank. Als wir am Abend beim Kaminfeuer sitzen, beichtet mir Noah, meine Hand haltend:
"Seit den Tagen damals auf der Yacht gab es nicht einen einzigen Tag, an dem ich nicht an dich gedacht habe. Nun, da ich dir wieder nahe bin, schmerzt es sehr. Je näher ich dir bin, desto schlimmer wird es. Bei dem Gedanken, nicht bei dir sein zu können, kann ich nicht atmen. Ich werde verfolgt von dem Kuss, den du mir nie hättest geben sollen, wie du sagst. Mein Herz schlägt schneller, in der Hoffnung, dass dieser Kuss keine Narbe hinterlassen wird."
Während er spricht, rückt er näher an mich heran. Ich winde mich innerlich wie äußerlich. Er sieht es und fragt:
"Was kann ich tun? Ich werde alles tun, worum du mich bittest!"
Ihn offen anschauend, sage ich:
"Du darfst nichts erzwingen wollen, Lieber! Gib der Liebe Zeit zu wachsen. Es ist nicht einfach! Wir leben in einer harten Welt. Du bist auf dem Weg ein Lama zu werden, ein Erleuchteter, ein spiritueller Lehrer. Ich bin im gehobenen Management eines weltweit agierenden Unternehmens. Wenn du deine Gedanken ganz zu Ende denkst, dann führen sie uns zu einem Ort, an den wir nicht gehen dürfen... Unabhängig davon, was wir füreinander empfinden."
"Dann empfindest du genauso?" fragt er.
"Ich lasse nicht zu, dass du deine Zukunft für mich aufgibst!" sage ich mit fester Stimme und rücke ein paar Zentimeter ab.
"Du verlangst von mir, vernünftig zu sein. Das kann ich in deiner Nähe nicht!" antwortet er und schaut mich flehend an.
Er sagt, die Staatsblume von Hawaii sei der Hibiskus, von dem es hier sieben verschiedene Arten gibt. Ausschließlich auf Hawaii kommt die Vulkanpalme vor. Sie kann bis zu fünf Meter hoch wachsen und klammert sich mit ihren Wurzeln an Basaltklippen in Meeresnähe.
Zurück bei Honolulu führt der Highway durch einen üppigen Regenwald. Ein Weg führt durch den Wald zu einem Wasserfall. Dort lässt Yong Tai halten. Der Fahrer holt eine Decke und einen großen Korb aus dem Kofferraum. Yong Tai dirigiert ihn damit auf eine Wiese neben der Straße. Ich helfe dem Mann, das Picknick vorzubereiten. Anschließend verzieht er sich mit einem Lunchpaket hinter das Steuer des Wagens.
Wir sitzen alleine auf der Decke, zwischen uns der Korb. Ich bin erstaunt, dass Yong Tai mich bedient. Sie fragt nach meinen Wünschen und lädt danach meinen Teller voll. Höflich warte ich, bis auch sie sich bedient hat.
Im folgenden Smalltalk fragt sie mich, wie es mir in den vergangenen Jahren ergangen ist. Ich erzähle ihr, dass mein Vater mir nach dem Hongkong-Abenteuer verboten hat, das Kloster noch einmal zu betreten.
"Das kann ich gut nachvollziehen!" meint sie. "Zum einen warst du in einem Alter, indem die Schule das Wichtigste für dich sein sollte. Zum anderen wird er befürchtet haben, dass es vielleicht zu weiteren Abenteuern dieser Art hätte kommen können."
Auch ich bin neugierig auf Yong Tais bisheriges Leben. Irgendwann im Gespräch erzählt sie mir von einer Schwärmerei im Alter von 12 Jahren. Davon ermutigt, spreche ich an, dass auch ich im Alter von 13Jahren einmal in ein Mädchen verliebt gewesen bin, die allerdings keine Notiz von mir genommen hat.
Innerlich warte ich auf eine Gelegenheit, den kleinen Jungen in mir heraus zu lassen.
*
Heute haben wir eine Erkundung der Insel geplant. Unser Gärtner, ein native Hawaiian, wird den Wagen fahren und uns die Gegend und deren Tiere und Pflanzen erklären. Von unserer Köchin habe ich einen Picknick-Korb füllen lassen für eine Pause unterwegs. Ich habe da eine Wiese an einem Wasserfall im Blick. Den Platz habe ich in der Ausbildung oft mit anderen Mädels aufgesucht. Es ist ein romantischer Ort.
Nach der ausgiebigen und lehrreichen Tour fährt der Mann in an den von mir bezeichneten Platz im Regenwald. Bald hält er an der Wiese mit dem wildromantischen Wasserfall im Hintergrund. Während sich der Gärtner diskret ins Fahrzeug zurückzieht, beginne ich mit Noah unbeschwerten Smalltalk.
Als wir den Picknick-Korb weitgehend geleert haben, steht Noah plötzlich auf und läuft in Richtung des Wasserfalles davon. Ich schüttele den Kopf. Mal wieder einer dieser spontanen Einfälle, die ich trotz allem an ihm so sehr liebe!
Ihm hinterher schauend sammele ich schon einmal das Geschirr und Besteck ein. Plötzlich breitet er die Arme aus und fällt vornüber ins hohe Gras. Er bewegt sich kurz und bleibt dann auf dem Bauch liegen.
Besorgt springe ich auf und laufe zu ihm. Schon von unterwegs rufe ich ihm zu:
"Noah! Noah, ist alles in Ordnung?"
Bei ihm angekommen, knie ich mich neben ihn und drehe ihn auf den Rücken. Lachend greift er nach mir und zieht mich zu sich herunter. Leicht verärgert rolle ich mich weg. Er macht die Rolle mit und so wälzen wir uns wie zwei Kinder lachend im Gras. Schließlich kommen wir atemlos zur Ruhe.
Nun liege ich auf ihm. Ich stemme mich hoch und schaue in sein glückliches Gesicht. Irgendwie fühle ich mich wie damals, als ich im Alter von zwölf Jahren für einen Jungen geschwärmt habe. Noah hat es geschafft, mein rationales Gedankenkonstrukt zu durchbrechen, das meine Gefühle eingesperrt gehalten hat. Ich beuge mich zu ihm hinunter und küsse ihn auf die Stirn. Dann springe ich auf und laufe mit wehenden Haaren lachend zum Wagen zurück.
Er rappelt sich auf und folgt mir. Beim Picknick-Korb erreicht er mich. Nun umfasst er meine Schultern von hinten und legt seine Wange an meine. Dabei flüstert er:
"Wie gut du riechst!"
Gemeinsam packen wir die Sachen zusammen und tragen sie zum Wagen zurück. Die Rückfahrt zur Villa verbringen wir nebeneinandersitzend auf der Rückbank. Als wir am Abend beim Kaminfeuer sitzen, beichtet mir Noah, meine Hand haltend:
"Seit den Tagen damals auf der Yacht gab es nicht einen einzigen Tag, an dem ich nicht an dich gedacht habe. Nun, da ich dir wieder nahe bin, schmerzt es sehr. Je näher ich dir bin, desto schlimmer wird es. Bei dem Gedanken, nicht bei dir sein zu können, kann ich nicht atmen. Ich werde verfolgt von dem Kuss, den du mir nie hättest geben sollen, wie du sagst. Mein Herz schlägt schneller, in der Hoffnung, dass dieser Kuss keine Narbe hinterlassen wird."
Während er spricht, rückt er näher an mich heran. Ich winde mich innerlich wie äußerlich. Er sieht es und fragt:
"Was kann ich tun? Ich werde alles tun, worum du mich bittest!"
Ihn offen anschauend, sage ich:
"Du darfst nichts erzwingen wollen, Lieber! Gib der Liebe Zeit zu wachsen. Es ist nicht einfach! Wir leben in einer harten Welt. Du bist auf dem Weg ein Lama zu werden, ein Erleuchteter, ein spiritueller Lehrer. Ich bin im gehobenen Management eines weltweit agierenden Unternehmens. Wenn du deine Gedanken ganz zu Ende denkst, dann führen sie uns zu einem Ort, an den wir nicht gehen dürfen... Unabhängig davon, was wir füreinander empfinden."
"Dann empfindest du genauso?" fragt er.
"Ich lasse nicht zu, dass du deine Zukunft für mich aufgibst!" sage ich mit fester Stimme und rücke ein paar Zentimeter ab.
"Du verlangst von mir, vernünftig zu sein. Das kann ich in deiner Nähe nicht!" antwortet er und schaut mich flehend an.
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