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Mittwoch, 23. Februar 2022
Doch die Liebe währet ewiglich -30
mariant, 10:38h
--Wiedergeburt--
Vier Jahre sind seitdem vergangen. Nun bin ich, Noah, 28 Jahre alt. Nach den drei Jahren Banklehre bin ich wieder ins Kloster zurückgekehrt. Es ist der beste Platz, um zur Ruhe zu kommen, Geborgenheit zu fühlen. Während der letzten Meditation habe ich eine Vision gehabt. Darüber spreche ich bei nächster Gelegenheit mit Lama Rinpoche.
"Tsopo Rinpoche, man sagt, du wärest die Wiedergeburt eines bedeutenden Lamas aus Nepal," sage ich einleitend. "Könnte es sein, dass auch gewöhnliche Menschen wiedergeboren werden?"
"Als du vor deiner Ausbildung, frisch von Hawaii, zu mir gekommen bist, habe ich dir gesagt, dass wir alle 'gewöhnliche Menschen sind', Noah! Es gibt keine Bevorzugung oder Benachteiligung! Der Tod ist nicht das Ende! Einzig je nach Lebensweise im jetzigen Leben, werden wir im nächsten Leben als Pflanze, Tier oder auch als Mensch wiedergeboren - oder erreichen das Nirwana bei untadeliger, heiliger Lebensweise."
Ich schaue Lama Rinpoche direkt an und erkläre ihm nun meine Anfangsfrage:
"Ich meditiere gerne in meiner freien Zeit. Während der letzten Meditation habe ich Yong Tai gesehen. Sie hat sich im Verlauf der Erscheinung in ein Kind verwandelt..."
"Das kann zweierlei Gründe haben," meint der Lama reserviert. "Entweder ein Mara -böser Geist- sucht den Kontakt zu dir und will dich zur negativen Seite hinüberziehen, weil du verführbar geworden bist, da du anscheinend noch immer nicht wirklich loslassen kannst.
Oder du hast doch losgelassen, gibst der bedauernswerten Li Yong Tai ihren Frieden - und sie strebt aus Liebe zu dir zurück..."
"Was soll ich jetzt tun?" frage ich den Lama.
"Behalte sie in liebevoller Erinnerung, aber lasse sie los. Gib sie frei! Bleiben deine Visionen, dann suche nach ihr. Denn was du frei gibst und es strebt aus sich heraus zu dir zurück, ist dein! Nicht jedoch das, was du nicht loslassen kannst!
Suche nach einem Kind, das zum Todeszeitpunkt gezeugt und neun Monate später geboren wurde."
"Was ist mit dem Kind, das sie unter ihrem Herzen trug?"
"Es könnte direkt ins Nirwana übergegangen sein, so wie auch die Christen glauben, dass solche unschuldigen Kinder sofort ins Paradies kommen."
Bedächtig nickend, bedanke mich für seinen Rat. Ich klammere mich nicht mehr in Gedanken an Yong Tai, sondern lasse ihr ihren Frieden. Tatsächlich verflüchtigt sich die Vision, wird immer undeutlicher. An Yong Tai denke ich nur noch in großer Dankbarkeit, dass ich diese wundervolle Frau kennengelernt habe.
Einige Monate später sehe ich während einer Meditation zuerst einen unförmigen Schatten. In weiteren Meditationen wird der Schatten immer deutlicher. Es erscheint eine Frau mit Baby im Arm, deren Gesicht noch nicht erkennbar ist. In späteren Meditationen erkenne ich Yong Tai, die mir zulächelt und über einen Weg geht, an dessen Rand Pflanzen wachsen, wie ich sie von Hawaii kenne.
Wieder hole ich mir Rat bei Lama Rinpoche. Er ermuntert mich:
"Dann musst du nach Hawaii reisen und dort suchen!"
Ich fliege einige Wochen darauf mit einer Linienmaschine nach Honolulu und suche das dortige buddhistische Kloster auf. Seiner Heiligkeit, dem Khenchen Lama des Klosters erzähle ich alsdann meine Geschichte. Er lässt mich geduldig ausreden und nickt mir lächelnd zu.
"Ich werde einen der Brüder beauftragen, für dich die Augen offen zu halten!" verspricht er mir anschließend. Ich soll ihm meine Adresse dalassen und erst einmal abwarten. Zuerst will man sich auf Zwillinge konzentrieren, die neun Monate nach dem Attentat geboren worden sind, da der Personenkreis kleiner ist.
An einem Nachmittag Tage darauf klingelt es an der Tür meiner kleinen Wohnung. Als ich öffne, stehe ich einem Lama gegenüber. Ich lasse ihn eintreten und biete ihm Tee und Gebäck an. Er berichtet mir eine traurige Geschichte:
"Wir haben ein Kinderheim auf der Insel, das von christlichen 'Barmherzigen Schwestern' geleitet wird. Sie kümmern sich speziell um Waisen, deren Mütter bei der Geburt gestorben sind und die keine weiteren Angehörigen haben. Dort lebt ein Zwillingspärchen, das am errechneten Zeitpunkt geboren ist. Der Vater der Kinder ist unbekannt. Die Mutter hat die schwere Geburt leider nicht überlebt. Bisher fanden sich auch keine Adoptiveltern für die beiden Mädchen."
"Das heißt," meine ich. "Die Beiden kommen in die engere Wahl und es könnte die Reinkarnation von Mutter und Kind sein..."
Ich versinke in Gedanken. Wenn wir auf der richtigen Spur sind, wäre das wunderbar!
"Wir werden sie prüfen müssen, damit man sicher sein kann, es sind die Wiedergeburten, die ich suche," sage ich und schaue meinem Gegenüber in die Augen.
"Wenn Sie möchten, besuchen wir das Kinderheim sobald es Ihnen passt!" bietet mir der Lama an.
"Wie wäre es morgen Vormittag?" schlage ich vor.
Der Lama nickt und verabschiedet sich bald.
Am nächsten Morgen fahre ich zu einem Spielzeugladen und erstehe zwei Säcke voll Puppen, Teddybären und Spielzeugautos für die Kinder des Kinderheims. Yong Tais alte Puppe aus ihrer Kindheit und den Plüschdrachen, den ich ihr damals auf dem Flughafen von Hawaii zum Abschied geschenkt habe, stecke ich zu den Spielwaren mit hinein.
Mein nächstes Ziel ist das buddhistische Kloster in Honolulu. Dort warte ich auf den Mönch. Nach einer kurzen freundlichen Begrüßung leitet er mich zu dem Kinderheim. Auf dem Weg dorthin fragt er mich:
"Haben Sie an persönliche Gegenstände ihrer Frau gedacht?"
Ich nicke lächelnd und sage:
"Kleider oder Schmuck wären nichts für fast fünfjährige Kinder. Vor allem, wenn sie sich in einer größeren Gruppe mit anderen Kindern befinden. Auf dem Weg ins Kloster bin ich heute Morgen zu einem Spielwarenladen gefahren und habe die unterschiedlichsten Puppen und Stofftiere gekauft. So hat jedes Kind etwas. Da hinein habe ich einen Drachen aus Hongkong gegeben und eine Puppe, die meine Frau immer als ihre Lieblingspuppe bezeichnet hat. Wir können die Auswahl der Kinder beobachten und jedes Kind darf sein Spielzeug behalten."
Vier Jahre sind seitdem vergangen. Nun bin ich, Noah, 28 Jahre alt. Nach den drei Jahren Banklehre bin ich wieder ins Kloster zurückgekehrt. Es ist der beste Platz, um zur Ruhe zu kommen, Geborgenheit zu fühlen. Während der letzten Meditation habe ich eine Vision gehabt. Darüber spreche ich bei nächster Gelegenheit mit Lama Rinpoche.
"Tsopo Rinpoche, man sagt, du wärest die Wiedergeburt eines bedeutenden Lamas aus Nepal," sage ich einleitend. "Könnte es sein, dass auch gewöhnliche Menschen wiedergeboren werden?"
"Als du vor deiner Ausbildung, frisch von Hawaii, zu mir gekommen bist, habe ich dir gesagt, dass wir alle 'gewöhnliche Menschen sind', Noah! Es gibt keine Bevorzugung oder Benachteiligung! Der Tod ist nicht das Ende! Einzig je nach Lebensweise im jetzigen Leben, werden wir im nächsten Leben als Pflanze, Tier oder auch als Mensch wiedergeboren - oder erreichen das Nirwana bei untadeliger, heiliger Lebensweise."
Ich schaue Lama Rinpoche direkt an und erkläre ihm nun meine Anfangsfrage:
"Ich meditiere gerne in meiner freien Zeit. Während der letzten Meditation habe ich Yong Tai gesehen. Sie hat sich im Verlauf der Erscheinung in ein Kind verwandelt..."
"Das kann zweierlei Gründe haben," meint der Lama reserviert. "Entweder ein Mara -böser Geist- sucht den Kontakt zu dir und will dich zur negativen Seite hinüberziehen, weil du verführbar geworden bist, da du anscheinend noch immer nicht wirklich loslassen kannst.
Oder du hast doch losgelassen, gibst der bedauernswerten Li Yong Tai ihren Frieden - und sie strebt aus Liebe zu dir zurück..."
"Was soll ich jetzt tun?" frage ich den Lama.
"Behalte sie in liebevoller Erinnerung, aber lasse sie los. Gib sie frei! Bleiben deine Visionen, dann suche nach ihr. Denn was du frei gibst und es strebt aus sich heraus zu dir zurück, ist dein! Nicht jedoch das, was du nicht loslassen kannst!
Suche nach einem Kind, das zum Todeszeitpunkt gezeugt und neun Monate später geboren wurde."
"Was ist mit dem Kind, das sie unter ihrem Herzen trug?"
"Es könnte direkt ins Nirwana übergegangen sein, so wie auch die Christen glauben, dass solche unschuldigen Kinder sofort ins Paradies kommen."
Bedächtig nickend, bedanke mich für seinen Rat. Ich klammere mich nicht mehr in Gedanken an Yong Tai, sondern lasse ihr ihren Frieden. Tatsächlich verflüchtigt sich die Vision, wird immer undeutlicher. An Yong Tai denke ich nur noch in großer Dankbarkeit, dass ich diese wundervolle Frau kennengelernt habe.
Einige Monate später sehe ich während einer Meditation zuerst einen unförmigen Schatten. In weiteren Meditationen wird der Schatten immer deutlicher. Es erscheint eine Frau mit Baby im Arm, deren Gesicht noch nicht erkennbar ist. In späteren Meditationen erkenne ich Yong Tai, die mir zulächelt und über einen Weg geht, an dessen Rand Pflanzen wachsen, wie ich sie von Hawaii kenne.
Wieder hole ich mir Rat bei Lama Rinpoche. Er ermuntert mich:
"Dann musst du nach Hawaii reisen und dort suchen!"
Ich fliege einige Wochen darauf mit einer Linienmaschine nach Honolulu und suche das dortige buddhistische Kloster auf. Seiner Heiligkeit, dem Khenchen Lama des Klosters erzähle ich alsdann meine Geschichte. Er lässt mich geduldig ausreden und nickt mir lächelnd zu.
"Ich werde einen der Brüder beauftragen, für dich die Augen offen zu halten!" verspricht er mir anschließend. Ich soll ihm meine Adresse dalassen und erst einmal abwarten. Zuerst will man sich auf Zwillinge konzentrieren, die neun Monate nach dem Attentat geboren worden sind, da der Personenkreis kleiner ist.
An einem Nachmittag Tage darauf klingelt es an der Tür meiner kleinen Wohnung. Als ich öffne, stehe ich einem Lama gegenüber. Ich lasse ihn eintreten und biete ihm Tee und Gebäck an. Er berichtet mir eine traurige Geschichte:
"Wir haben ein Kinderheim auf der Insel, das von christlichen 'Barmherzigen Schwestern' geleitet wird. Sie kümmern sich speziell um Waisen, deren Mütter bei der Geburt gestorben sind und die keine weiteren Angehörigen haben. Dort lebt ein Zwillingspärchen, das am errechneten Zeitpunkt geboren ist. Der Vater der Kinder ist unbekannt. Die Mutter hat die schwere Geburt leider nicht überlebt. Bisher fanden sich auch keine Adoptiveltern für die beiden Mädchen."
"Das heißt," meine ich. "Die Beiden kommen in die engere Wahl und es könnte die Reinkarnation von Mutter und Kind sein..."
Ich versinke in Gedanken. Wenn wir auf der richtigen Spur sind, wäre das wunderbar!
"Wir werden sie prüfen müssen, damit man sicher sein kann, es sind die Wiedergeburten, die ich suche," sage ich und schaue meinem Gegenüber in die Augen.
"Wenn Sie möchten, besuchen wir das Kinderheim sobald es Ihnen passt!" bietet mir der Lama an.
"Wie wäre es morgen Vormittag?" schlage ich vor.
Der Lama nickt und verabschiedet sich bald.
Am nächsten Morgen fahre ich zu einem Spielzeugladen und erstehe zwei Säcke voll Puppen, Teddybären und Spielzeugautos für die Kinder des Kinderheims. Yong Tais alte Puppe aus ihrer Kindheit und den Plüschdrachen, den ich ihr damals auf dem Flughafen von Hawaii zum Abschied geschenkt habe, stecke ich zu den Spielwaren mit hinein.
Mein nächstes Ziel ist das buddhistische Kloster in Honolulu. Dort warte ich auf den Mönch. Nach einer kurzen freundlichen Begrüßung leitet er mich zu dem Kinderheim. Auf dem Weg dorthin fragt er mich:
"Haben Sie an persönliche Gegenstände ihrer Frau gedacht?"
Ich nicke lächelnd und sage:
"Kleider oder Schmuck wären nichts für fast fünfjährige Kinder. Vor allem, wenn sie sich in einer größeren Gruppe mit anderen Kindern befinden. Auf dem Weg ins Kloster bin ich heute Morgen zu einem Spielwarenladen gefahren und habe die unterschiedlichsten Puppen und Stofftiere gekauft. So hat jedes Kind etwas. Da hinein habe ich einen Drachen aus Hongkong gegeben und eine Puppe, die meine Frau immer als ihre Lieblingspuppe bezeichnet hat. Wir können die Auswahl der Kinder beobachten und jedes Kind darf sein Spielzeug behalten."
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Dienstag, 22. Februar 2022
Doch die Liebe währet ewiglich -29
mariant, 11:15h
Ich erhebe mich langsam und folge unserer Angestellten. Sie sagt, dass ich mich in den Sessel setzen soll, dann informiert sie die Polizei. Wiederholt muss ich den Detectives unsere Geschichte erzählen.
In der Villa kann ich nicht mehr leben. Also kündige ich der Köchin und dem Gärtner und beziehe ein Zimmer in einem Hotel in Honolulu. Nachdem die Erbschaftsangelegenheiten geregelt sind, fliege ich als gebrochener Mann von Selbstvorwürfen zerfressen nach Deutschland zurück. Warum habe ich nicht am Steuer gesessen, wie sonst immer?
Mein erster Gang führt mich in das Kloster und zu Lama Rinpoche. Ich berichte ihm, was sich seit unserer Ankunft auf Hawaii zugetragen hat und schließe mit der niederschmetternden Aussage:
"Ich weiß nicht mehr weiter, Tsopo -Meister-. Mein Leben ist sinnlos ohne sie!"
Mein väterlicher Freund und Mentor schaut mich lange an. Dann antwortet er:
"Dir ist ein großes Vermögen zugefallen, das du irgendwie verwalten musst. Du hast aber keine Ausbildung bisher. Ich rate dir, mache eine Banklehre. Lerne mit viel Geld umzugehen und es zu mehren! Dann überlege dir, wofür du den Geldzuwachs ausgeben willst."
"Aber ohne Yong Tai hat alles keinen Sinn!"
"Denke daran, was ich dich gelehrt habe: der Tod ist nicht das Ende! Dann bekommt dein Leben wieder einen Sinn, wenn du ihn auch jetzt noch nicht erkennst. Komm gerne im Laufe deiner Ausbildung immer wieder hierher zurück! Du hast meditieren gelernt! Nutze deine Fähigkeit."
Ich nicke dankbar und sage:
"Ich danke Euch, mein Tsopo."
Danach bewerbe ich mich bei verschiedenen Banken und erhalte die Chance, eine Ausbildung zu beginnen. Während meiner Urlaube reise ich gerne und ziehe mich immer wieder ins Kloster zurück.
Während meiner Aufenthalte bei Lama Rinpoche erzählt er mir in langen Gesprächen von seiner Vergangenheit, um mir ein Beispiel zu geben. Er beginnt damit, wie plötzlich zwei Männer in Mönchsgewändern im Wohnzimmer der elterlichen Wohnung gesessen haben.
"Tags vorher habe ich eine unscheinbare Schale vor dem Sportplatz gefunden," berichtet er. "Ich habe sie mir von allen Seiten angesehen. Sie erschien mir irgendwie vertraut. Also habe ich sie eingesteckt, wenn auch die Anderen in meiner Sportgruppe gelästert haben über den 'Müll'."
Er macht eine Pause und ergänzt dann:
"Die Mönche haben gesagt, dass die Schale einem verstorbenen Lama gehört hat, und dass sie annehmen, ich sei dessen Wiedergeburt. Das müsse aber in Nepal genauer geprüft werden.
Ich bin dann mit meiner ehrenwerten Mutter in das Kloster nach Nepal gereist, wo der verstorbene Lama früher gewirkt hat und verschiedener Prüfungen unterzogen worden. Man war sich schließlich sicher, dass in mir der ehrenwerte Lama Sherab weiterlebt.
In der Folgezeit bin ich in allem geschult worden, was ein späterer Mönch wissen muss. Ich habe allerdings auch einen gewissen Ehrgeiz in die Ausbildung gesteckt, und erstaunte damit meine Lehrer. Alles weitere weißt du ja grob: Ich bin zum Lama geweiht und nach Deutschland zurückgeschickt worden, um die Bestimmung von Lama Sherab zu erfüllen."
Ich nicke.
"Was schlägt mir mein Tsopo -Meister- für die weitere Zukunft vor?"
"Schließe erst einmal deine Ausbildung mit Bravour ab, dann sehen wir weiter!"
In der Villa kann ich nicht mehr leben. Also kündige ich der Köchin und dem Gärtner und beziehe ein Zimmer in einem Hotel in Honolulu. Nachdem die Erbschaftsangelegenheiten geregelt sind, fliege ich als gebrochener Mann von Selbstvorwürfen zerfressen nach Deutschland zurück. Warum habe ich nicht am Steuer gesessen, wie sonst immer?
Mein erster Gang führt mich in das Kloster und zu Lama Rinpoche. Ich berichte ihm, was sich seit unserer Ankunft auf Hawaii zugetragen hat und schließe mit der niederschmetternden Aussage:
"Ich weiß nicht mehr weiter, Tsopo -Meister-. Mein Leben ist sinnlos ohne sie!"
Mein väterlicher Freund und Mentor schaut mich lange an. Dann antwortet er:
"Dir ist ein großes Vermögen zugefallen, das du irgendwie verwalten musst. Du hast aber keine Ausbildung bisher. Ich rate dir, mache eine Banklehre. Lerne mit viel Geld umzugehen und es zu mehren! Dann überlege dir, wofür du den Geldzuwachs ausgeben willst."
"Aber ohne Yong Tai hat alles keinen Sinn!"
"Denke daran, was ich dich gelehrt habe: der Tod ist nicht das Ende! Dann bekommt dein Leben wieder einen Sinn, wenn du ihn auch jetzt noch nicht erkennst. Komm gerne im Laufe deiner Ausbildung immer wieder hierher zurück! Du hast meditieren gelernt! Nutze deine Fähigkeit."
Ich nicke dankbar und sage:
"Ich danke Euch, mein Tsopo."
Danach bewerbe ich mich bei verschiedenen Banken und erhalte die Chance, eine Ausbildung zu beginnen. Während meiner Urlaube reise ich gerne und ziehe mich immer wieder ins Kloster zurück.
Während meiner Aufenthalte bei Lama Rinpoche erzählt er mir in langen Gesprächen von seiner Vergangenheit, um mir ein Beispiel zu geben. Er beginnt damit, wie plötzlich zwei Männer in Mönchsgewändern im Wohnzimmer der elterlichen Wohnung gesessen haben.
"Tags vorher habe ich eine unscheinbare Schale vor dem Sportplatz gefunden," berichtet er. "Ich habe sie mir von allen Seiten angesehen. Sie erschien mir irgendwie vertraut. Also habe ich sie eingesteckt, wenn auch die Anderen in meiner Sportgruppe gelästert haben über den 'Müll'."
Er macht eine Pause und ergänzt dann:
"Die Mönche haben gesagt, dass die Schale einem verstorbenen Lama gehört hat, und dass sie annehmen, ich sei dessen Wiedergeburt. Das müsse aber in Nepal genauer geprüft werden.
Ich bin dann mit meiner ehrenwerten Mutter in das Kloster nach Nepal gereist, wo der verstorbene Lama früher gewirkt hat und verschiedener Prüfungen unterzogen worden. Man war sich schließlich sicher, dass in mir der ehrenwerte Lama Sherab weiterlebt.
In der Folgezeit bin ich in allem geschult worden, was ein späterer Mönch wissen muss. Ich habe allerdings auch einen gewissen Ehrgeiz in die Ausbildung gesteckt, und erstaunte damit meine Lehrer. Alles weitere weißt du ja grob: Ich bin zum Lama geweiht und nach Deutschland zurückgeschickt worden, um die Bestimmung von Lama Sherab zu erfüllen."
Ich nicke.
"Was schlägt mir mein Tsopo -Meister- für die weitere Zukunft vor?"
"Schließe erst einmal deine Ausbildung mit Bravour ab, dann sehen wir weiter!"
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Montag, 21. Februar 2022
Doch die Liebe währet ewiglich -28
mariant, 10:43h
Eines Abends, ich stehe auf dem Balkon des Schlafzimmers über der Terrasse und bürste mein Haar, sage ich zu Noah:
"Noah, ich möchte, dass unser Kind hier geboren wird!"
Er lehnt in der Balkontür und schaut mich stolz und glücklich an. Nun umwölkt sich seine Stirn. Er fragt:
"Warum nicht in der Wöchnerinnenabteilung des Krankenhauses unten in der Stadt?"
"Hier fühle ich mich wohl. Ein Arzt ist schnell zur Stelle. Ich habe darüber schon mit meinem Frauenarzt gesprochen!" antworte ich, drehe mich zu ihm und strahle ihn an.
Er bemerkt stockend:
"Du bist so... wunderschön!"
"Das liegt daran, dass ich dich so sehr liebe."
Noah löst sich aus dem Türrahmen und kommt näher. Er schüttelt den Kopf, lächelt mich an und sagt:
"Nein... Nein, das liegt daran, dass ICH dich so sehr liebe."
Ich lege den Kopf schief, schaue ihn prüfend an und antworte:
"Es liegt daran, dass WIR UNS so sehr lieben!"
Mitten in der darauffolgenden Nacht wache ich auf. Ich taste nach Noah und greife ins Leere. Also drehe ich mich vollends zu ihm um. Sein Platz neben mir ist leer. Ich stehe mühsam auf und finde ihn auf dem Balkon. Er schaut in die Sterne.
"Was bedrückt dich, Noah?" frage ich besorgt.
Er schüttelt den Kopf und behauptet:
"Es ist nichts!"
Ich lege meine Hände von hinten um seine Schultern, lehne mich an ihn und frage:
"Wie lange wird es wohl dauern, bis wir in Allem ehrlich zueinander sein können?"
Er dreht sich zu mir um und umarmt mich fest. Dann sagt er:
"Ich hatte einen bösen Traum."
Neugierig hake ich nach: "Und?"
Er flüstert: "Ich träumte von dir!"
Besorgt fordere ich ihn auf:
"Erzähle ihn mir!"
Er löst sich von mir, atmet einmal tief ein und sagt:
"Es war nur ein Traum!"
Noah entfernt sich von mir, atmet tief ein und aus und dreht sich in der Balkontür wieder zu mir um:
"... dass du bei der Geburt des Babys sterben wirst."
Erschreckt frage ich: "Und das Baby?"
Noah schüttelt heftig den Kopf, als wollte er böse Geister vertreiben. Er antwortet:
"Ich weiß es nicht."
Ich nähere mich ihm, umfasse ihn an der Brust, lehne meinen Kopf an sein Herz und sage tröstend:
"Es war nur ein Traum! Dieses Baby wird unser ganzes Leben verändern!"
Er nimmt mich sanft in den Arm und küsst mich auf die Stirn, während ich mich an ihn kuschele.
"Dieses Baby ist ein Wunder!" sagt er.
Wir gehen zurück ins Bett. Ich halte Noah fest im Arm. Er flüstert mir ins Ohr:
"Mit uns wird es ewig halten! Weißt du, wieso ich das weiß? Weil ich mich morgens beim Aufwachen immer zuerst darauf freue, dein Gesicht zu sehen!"
Er küsst mich leidenschaftlich. Atemlos flüstere ich danach:
"Und ich kann nicht einschlafen ohne dich, Noah!"
"Ich bin ja da, Liebes!" tröstet er mich. "Meine Gedanken sind immer bei dir!"
*
Der Tag der Entbindung rückt näher. Wegen einer Unpässlichkeit bleibe ich, Noah, im Bett. Yong Tai schiebt mir das Frühstück auf einem Servierwagen ans Bett und verabschiedet sich unter Küssen. Heute ist der voraussichtlich letzte Untersuchungstermin beim Frauenarzt. In den nächsten Tagen wird er auf Abruf bereitstehen, um Yong Tai bei der Hausgeburt zur Seite zu stehen.
Ich habe gerade eine Tasse Tee in der Hand, als ich diesen Donnerschlag höre, der das ganze Haus erzittern lässt. Sofort bin ich auf dem Balkon. Der Kilauea zeigt ein friedliches Gesicht. So wie ich gerade angezogen bin, laufe ich hinunter ins Foyer. Unsere Köchin kommt mir mit schreckgeweiteten Augen entgegen.
Die Treppe und der Privatweg bis zur Gartenmauer ist mit wenigen Sätzen genommen. Vor mir breitet sich ein Bild des Grauens aus. Haltlos weinend sinke ich auf die Knie. Die Köchin ist mir langsam gefolgt. Nun fasst sie mich an den Schultern und sagt:
"Kommen Sie wieder ins Haus, Sir! Dafür sind jetzt Andere zuständig!"
"Noah, ich möchte, dass unser Kind hier geboren wird!"
Er lehnt in der Balkontür und schaut mich stolz und glücklich an. Nun umwölkt sich seine Stirn. Er fragt:
"Warum nicht in der Wöchnerinnenabteilung des Krankenhauses unten in der Stadt?"
"Hier fühle ich mich wohl. Ein Arzt ist schnell zur Stelle. Ich habe darüber schon mit meinem Frauenarzt gesprochen!" antworte ich, drehe mich zu ihm und strahle ihn an.
Er bemerkt stockend:
"Du bist so... wunderschön!"
"Das liegt daran, dass ich dich so sehr liebe."
Noah löst sich aus dem Türrahmen und kommt näher. Er schüttelt den Kopf, lächelt mich an und sagt:
"Nein... Nein, das liegt daran, dass ICH dich so sehr liebe."
Ich lege den Kopf schief, schaue ihn prüfend an und antworte:
"Es liegt daran, dass WIR UNS so sehr lieben!"
Mitten in der darauffolgenden Nacht wache ich auf. Ich taste nach Noah und greife ins Leere. Also drehe ich mich vollends zu ihm um. Sein Platz neben mir ist leer. Ich stehe mühsam auf und finde ihn auf dem Balkon. Er schaut in die Sterne.
"Was bedrückt dich, Noah?" frage ich besorgt.
Er schüttelt den Kopf und behauptet:
"Es ist nichts!"
Ich lege meine Hände von hinten um seine Schultern, lehne mich an ihn und frage:
"Wie lange wird es wohl dauern, bis wir in Allem ehrlich zueinander sein können?"
Er dreht sich zu mir um und umarmt mich fest. Dann sagt er:
"Ich hatte einen bösen Traum."
Neugierig hake ich nach: "Und?"
Er flüstert: "Ich träumte von dir!"
Besorgt fordere ich ihn auf:
"Erzähle ihn mir!"
Er löst sich von mir, atmet einmal tief ein und sagt:
"Es war nur ein Traum!"
Noah entfernt sich von mir, atmet tief ein und aus und dreht sich in der Balkontür wieder zu mir um:
"... dass du bei der Geburt des Babys sterben wirst."
Erschreckt frage ich: "Und das Baby?"
Noah schüttelt heftig den Kopf, als wollte er böse Geister vertreiben. Er antwortet:
"Ich weiß es nicht."
Ich nähere mich ihm, umfasse ihn an der Brust, lehne meinen Kopf an sein Herz und sage tröstend:
"Es war nur ein Traum! Dieses Baby wird unser ganzes Leben verändern!"
Er nimmt mich sanft in den Arm und küsst mich auf die Stirn, während ich mich an ihn kuschele.
"Dieses Baby ist ein Wunder!" sagt er.
Wir gehen zurück ins Bett. Ich halte Noah fest im Arm. Er flüstert mir ins Ohr:
"Mit uns wird es ewig halten! Weißt du, wieso ich das weiß? Weil ich mich morgens beim Aufwachen immer zuerst darauf freue, dein Gesicht zu sehen!"
Er küsst mich leidenschaftlich. Atemlos flüstere ich danach:
"Und ich kann nicht einschlafen ohne dich, Noah!"
"Ich bin ja da, Liebes!" tröstet er mich. "Meine Gedanken sind immer bei dir!"
*
Der Tag der Entbindung rückt näher. Wegen einer Unpässlichkeit bleibe ich, Noah, im Bett. Yong Tai schiebt mir das Frühstück auf einem Servierwagen ans Bett und verabschiedet sich unter Küssen. Heute ist der voraussichtlich letzte Untersuchungstermin beim Frauenarzt. In den nächsten Tagen wird er auf Abruf bereitstehen, um Yong Tai bei der Hausgeburt zur Seite zu stehen.
Ich habe gerade eine Tasse Tee in der Hand, als ich diesen Donnerschlag höre, der das ganze Haus erzittern lässt. Sofort bin ich auf dem Balkon. Der Kilauea zeigt ein friedliches Gesicht. So wie ich gerade angezogen bin, laufe ich hinunter ins Foyer. Unsere Köchin kommt mir mit schreckgeweiteten Augen entgegen.
Die Treppe und der Privatweg bis zur Gartenmauer ist mit wenigen Sätzen genommen. Vor mir breitet sich ein Bild des Grauens aus. Haltlos weinend sinke ich auf die Knie. Die Köchin ist mir langsam gefolgt. Nun fasst sie mich an den Schultern und sagt:
"Kommen Sie wieder ins Haus, Sir! Dafür sind jetzt Andere zuständig!"
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